Susan Clancy: Der Trauma Mythos

Susan A. Clancy, Ph.D.

The Trauma Myth.

The Truth About the Sexual Abuse of Children – and Its Aftermath.

New York, N.Y. 2009 1

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Susan Clancy – Der Trauma Mythos. Deutschsprachiges Exzerpt.

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VORWORT

Herbst 1996

Frank Girard, ein 42jähriger Steuerberater, hatte in seinem 9. Lebensjahr während einer sechsmonatigen Periode sexuelle Erfahrungen mit einem Freund der Familie, einem Mann mittleren Alters. Frank hielt geheim, was geschah. An der Wurzel seines Schweigens ist Scham. Er sieht das, was geschah, als seinen Fehler, und folglich muss „etwas falsch sein“ mit ihm – dass es geschah, weil er auf eine Art „aberrant“ war. Damit erklärt er Probleme, die er in letzter Zeit in der Arbeit und der Familie bekam, und die er mit seinen Kindheitserfahrungen in Zusammenhang bringt.

Als Frank mir das sagte, war ich eine Graduate Studentin an der Harvard University und begann gerade das Forschungsprojekt über sexuellen Missbrauch. Was er mir sagte, war schockierend. Nicht dass er diese Erfahrungen gemacht hatte, war schockierend. Forscher auf diesem Gebiet wissen, dass sexueller Missbrauch verbreitet ist. Was mich schockierte waren Franks Schilderungen seiner Reaktionen, während es mit ihm geschah. Was allmählich, von langen Pausen, vielen Seufzern und gelegentlichen Tränen begleitet, auftauchte war, dass Frank nichts dagegen hatte, während der Missbrauch geschah. Als Kind mochte er diesen Mann, und er schätzte seine Aufmerksamkeit. Und manchmal fühlte sich das, was sie taten, gut an. Als der Mann aus der Stadt wegzog, war Frank aufgewühlt (upset). Er vermisste ihn und die Zeit, die sie zusammen verbracht hatten.

Während mehr als drei Dekaden haben zuerst die Experten und dann die Öffentlichkeit sexuellen Missbrauch als eine – während er geschieht – für das Kind schreckliche Erfahrung verstanden – als etwas, was ausnahmslos gegen den Willen eines erschreckten Kindes vorgenommen wird. Aber Frank empfand den Missbrauch, während er geschah, anders. Bevor er aus meinem Büro ging, stellte er mir eine Frage: „Was ich ihnen erzählt habe… wie häufig kommt das vor?“ Ich begann: „Frank… ungefähr jedes fünfte Kind…“

Aber er unterbrach mich. „Nein, nicht das, ich weiss, dass Kinder missbraucht werden. Es steht die ganze Zeit in den Zeitungen… Was ich frage ist, ob andere Kinder darauf ebenso reagieren wie ich… sie verstehen: ob sie das tun, was ich tat?“

Frank bezog sich auf die Tatsache, dass die Erfahrungen, die er hatte, nicht erzwungen waren – weil er den Mann gern hatte und die Zeit genoss, die sie zusammen verbrachten. Frank widersetzte sich auf keine Weise dem Sex. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diese Frage beantworten sollte. Zu jener Zeit war ich sicher, dass Frank ein aussergewöhnliches Opfer war, aber ich wollte ihm das nicht sagen, weil ich das Gefühl hatte, dass er das nicht wissen wollte.

* * *

Das war vor mehr als zehn Jahren. Heutzutage haben einige Professionelle auf dem Gebiet des SKM [sexueller Kindesmissbrauch] einige schwere Misskonzeptionen entwickelt und in der Öffentlichkeit verbreitet. In ihren gut gemeinten Anstrengungen, das Bewusstsein zu erhöhen, dass SKM Schaden anrichtet und nie der Fehler des Kindes ist, haben sie einige Charakteristika des Missbrauchs (wie Trauma, Angst, Zwang, Gewalt und Drohungen) betont, die nicht die Erfahrungen charakterisieren, welche die meisten Kinder machen. Als Konsequenz dieser fehlplatzierten Betonung ignorieren Professionelle und missversteht das Publikum die Anliegen, die Sorgen und Ängste von Millionen von Opfern. Diese werden stattdessen übersehen, minimiert und geleugnet,

Im gegenwärtigen kulturellen Klima ist es schwierig, über SKM die Wahrheit zu sagen, sich direkt auf das zu beziehen, was wirklich geschieht, und wie die Opfer darauf reagieren. Viele Professionelle und Vertreter der Opfer befürchten, dass – wenn man so täte – die Opfer von der Gesellschaft beschuldigt würden oder die Schäden in Frage stellen würden, die der Missbrauch verursacht. Aber diese Ängste sind unbegründet. SKM ist, wie ich eingehend diskutieren werde, niemals der Fehler des Kindes, und er schädigt es mit hoher Sicherheit, aber nicht aus den Gründen, die viele von uns zu glauben überzeugt wurden.

Es wird oft gesagt, dass Advocacy [Fürsprache, Eintreten für eine gute Sache, eine Gruppe, eine Idee] am besten ausgerichtet wird durch Wahrheit. In diesem Fall wird eine Konfrontation mit der Wahrheit nicht nur den Opfern Schuldgefühle, Scham und Geheimhaltung ersparen, welche sie binden [that bind them], sondern es wird auch den Behörden helfen, die Täter besser zu identifizieren und zu bestrafen, den Professionellen, effektivere Behandlungen zu entwickeln, und den Eltern, ihre Kinder besser zu beschützen.

EINFÜHRUNG

[Nach einigen allgemeinen Ausführungen zur Verbreitung des SKM und seiner Folgen wendet Clancy sich der Suche nach den genauen Ursachen zu.] Wenn du nach sexuellem Missbrauch psychische Schwierigkeiten erleidest, dann muss der Grund im Missbrauch liegen. Aber in Wirklichkeit ist es nicht so einfach. Was genau am Missbrauch hat die Probleme hervorgerufen? Hat es mit objektiven Eigenschaften des Missbrauchs zu tun (z.B. wie häufig er geschah, oder ob Penetration dabei war)? Hat es mit subjektiven Eigenschaften zu tun (wie schmerzhaft, angsteinflössend oder schockierend er war)? Vielleicht hat es weniger mit dem Missbrauch selber zu tun, als vielmehr mit dem jeweiligen Kind (wie alt es war, oder ob es genetisch für Langzeitprobleme disponiert war), oder mit der Umgebung, in der es geschah (Armut, körperlicher Missbrauch, oder Vernachlässigung). Vielleicht hat es mit den sozialen oder kognitiven Konsequenzen zu tun (wie die Familie des Opfers oder Professionelle des Gesundheitssektors die Sache handelten, oder wie das Opfer es später in seinem Leben auffasste oder konzeptualisierte). Es gibt zahlreiche Wege zu verstehen, wie und warum SKM dem Opfer schadet. Während Dekaden jedoch lag der hauptsächliche Fokus auf einem Aspekt [way]: dem Vorfall selber.

Die Theorie, die in den späten Siebzigern entwickelt wurde, und die weitgehend durch SKM-Experten in den 80ern akzeptiert wurde und bis heute in der Psychiatrie und Psychologie weitgehend unwidersprochen geblieben ist, wird als die traumatische (oder traumato-gene) Stress- Perspektive bezeichnet. Die Idee ist im Wesentlichen, dass SKM dem Opfer nicht wegen spezifischer Eigenschaften des Kindes oder der Umgebung schadet, sondern wegen der Missbrauchserfahrung selber. Sexueller Missbrauch schadet den Opfern (so geht die Theorie), weil er eine traumatische Erfahrung für das Kind ist, während er passiert.

Nun bedeutet das Wort «Trauma» Verschiedenes für verschiedene Leute. Die Art und Weise, wie Professionelle in der Psychologie ein traumatisches Geschehnis definieren, ist jedoch klar: Es ist entweder objektiv lebensbedrohlich, während es passiert, oder es resultiert subjektiv in ebenso starker Furcht, Horror oder Hilflosigkeit, wie wenn es durch objektiv lebensbedrohliche Ereignisse hervorgerufen wurde. Gemäss dem dominanten theoretischen framework schädigt sexueller Missbrauch, wie andere traumatische Erfahrungen auch, weil er furchterregend, erschreckend, überwältigend oder schmerzhaft ist, während er geschieht.

Die genaue Art und Weise, von der Professionelle annehmen, dass das Trauma langanhaltenden Schaden bewirkt, ist kompliziert. Grundsätzlich verursacht die Erfahrung eines psychologischen Traumas extreme, unnatürlich hohe Levels von neurobiologischer Erregung im Opfer, eine derart extreme Erregung, dass sie toxisch wird: Sie destabilisiert die Neurobiologie des Opfers und führt zu langfristiger emotionaler, behavioraler und kognitiver Dysfunktion und, in einigen Fällen, sogar zu Hirnschaden. In anderen Worten: das Trauma kann eine Kettenreaktion im Nervensystem auslösen, welche das Level der Hormonausschüttungen und der Neurotransmitter beeinflusst und das Hirn betreffen kann. Die Systeme, die dazu da sind, mit späteren psychosozialen Stressoren umzugehen, können in einem traumatisierten Hirn dereguliert sein. Kurz: traumatische Ereignisse produzieren tiefe und langanhaltende Veränderungen im Niveau des psychologischen Erregung, Emotion, Kognition und Gedächtnis.

Das traumato-genetische Modell umfasst also drei grundlegende Annahmen. 1.) Trauma ist das zentrale Konzept, um die langfristigen Effekte von SKM zu erklären. 2.) Der Pfad, über den das Trauma sich auf das Wohlbefinden auswirkt, ist direkt… 3.) Je traumatischer die Erfahrung war, umso stärker sind die langfristigen negativen Folgen. Entsprechend wird heute, wenn ein Opfer in der Folgezeit eines sexuellen Missbrauchs von psychologischen Problemen berichtet, angenommen, dass der Missbrauch furchterregend, schockierend und überwältigend war, während er geschah.

Obwohl eine zunehmende Zahl von Professionellen und Forschern anerkennt, dass andere Faktoren, die nicht spezifisch mit dem Missbrauch verbunden sind, mit den schädlichen Folgen zu tun haben könnten, liegt die Betonung bei einem grossen Teil der Forschung ganz stark auf dem Missbrauch [selber]. Während mindestens drei Dekaden blieb die Feststellung, dass die Effekte des sexuellen Missbrauchs aus ihrem traumatischen Charakter hervorgehen, weitgehend ohne Widerspruch.

10,11 Es ist darum nicht erstaunlich, dass die Trauma Theorie des sexuellen Missbrauchs einen tiefen Effekt auf die Art und Weise gehabt hat, wie die Professionellen über SKM schreiben und reden. Die bei weitem populärste Auffassung von sexuellem Erwachsenen-Kind-Kontakt sieht die Erfahrung als Auftreten eines für das Kind schädlichen Stimulus; einem, der unmittelbar adversive emotionale Reaktionen hervorruft. Die Webseite der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry hält fest: „Kein Kind ist psychologisch vorbereitet, mit wiederholter sexueller Stimulation umzugehen [to cope]. Auch ein zwei oder drei Jahre altes Kind wird Probleme entwickeln, die von der Unfähigkeit her kommen, mit der Überstimulation fertig zu werden.“ [Siehe aber die Fallstudien von Alaine Yates, M.D.: https://montebasso.wordpress.com/2019/05/12/kinder-die-durch-inzest-erotisiert-wurden/ sowie von Bender & Blau: https://montebasso.wordpress.com/2018/08/07/die-reaktion-der-kinder-auf-sexuelle-beziehungen-mit-erwachsenen/ Auch die frühe Studie von Rasmussen lässt Zweifel an dieser Behauptung aufkommen: https://montebasso.wordpress.com/2018/06/08/krankhafte-wirkungen-auf-das-seelenleben-hat-man-ueberhaupt-nicht-nachweisen-koennen/ ]

11 Heutzutage wird SKM sehr selten ohne das Wort „Trauma“ beschrieben. Oder ohne die Implikation, dass diese Erfahrung Furcht und Gewalttätigkeit einschliesst. Behandlungszentren werden als Trauma Zentren bezeichnet. Sexuelle Akte gegen Kinder werden beschrieben als „sexuelle Angriffe“ [assaults] oder als „gewalttätige Begegnungen“ [violent encounters]. In den Worten von Lenore Terr ist SKM ein „schreckliches äusserliches Ereignis in der Kindheit, welche die junge Person zeitweise hilflos zurücklässt und das normale Bewältigungsvermögen überfordert [breaking past ordinary copying and defense operations]… Judith Herman schreibt: 12 „Im Moment des Traumas ist das Opfer durch eine überwältigende Kraft hilflos gemacht… der allgemeine Nenner für Trauma ist intensive Angst, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, und drohende Vernichtung.“

12 Im diagnostischen System der Ärzte und Psychologen (dem DSM IV) ist SKM in derselben Kategorie traumatischer Ereignisse eingereiht wie Kampf [combat], Vergewaltigung und Naturkatastrophen. Als Folge davon denken viele Forscher, die über die psychologische Wirkung des SKM forschen, nicht einmal daran, das Opfer detailliert zu fragen, ob die Erfahrung traumatisch war im Moment, wo der Missbrauch geschah – sie nehmen einfach an, dass sie es war. Tatsächlich ist die Annahme eines Traumas bei vielen Professionellen so eingeschärft, dass sie, wenn das Opfer nicht berichtet, der Missbrauch sei eine Horror-Erfahrung gewesen, oft annehmen, dass die falschen Fragen gestellt worden sind, oder dass das Opfer die wirklichen Ereignisse falsch erinnert.

12 Was die Professionellen annehmen und schreiben, wird natürlich auch in die allgemeine Öffentlichkeit kommuniziert. Bücher über den sexuellen Missbrauch fangen oft mit Passagen an wie…

13 „Es geht um die Stille von Nächten, die mit Schreien verbracht wurden,…

Wenn Du dieses Buch liest, dann deswegen, weil Du die schrecklichen und furchterregenden Erfahrungen, sexuell missbraucht zu werden, erinnerst.“

„Warum teilen Opfer ihre Geheimnisse nicht mit? Wegen des Zyklus von Vergewaltigung, Scham und nicht mitgeteilten, nicht mitteilbaren Qualen.“

13,14 Der Mut zum Heilen [The Courage to Heal i], erstmals 1988 publiziert, mit einer Ausgabe zum 20. Jahrestag, die sich noch immer gut verkauft, exemplifiziert perfekt, wie das Trauma in die Mitte gestellt wird. Es ist wohl das von den Opfern am meisten gelesene Buch. Ständige Bezugnahmen auf Trauma geschehen durch den ganzen 500 Seiten starken Band, mit Wörtern wie „Blut“, „Vergewaltigung“, „Sodomie“, „Terror“ und „Schmerzen“, die benutzt werden, um den SKM zu beschreiben. Den Opfern, die es lesen, wird ständig gesagt, dass – selbst wenn sie anders empfinden – was ihnen geschah war gegen ihren Willen. Der Missbrauch war ihnen aufgezwungen, sie waren äusserst hilflos und gegen ihren Willen vergewaltigt.

[17 In der Folge äussert sich die Autorin zum Problem des false memory, der Unterdrückung von Erinnerungen, die später wieder an die Oberfläche kommen. Sie beruft sich auf einflussreiche Gedächtnisforscher wie Daniel Schachter und andere, die auf einen grossen Fundus von Labor- und Reale-Welt-Ergebnisse hinwiesen, und feststellten, dass traumatische Erfahrungen gewöhnlich nur zu gut erinnert würden.]

HYPOTHESEN

18 [Anfänglich schien für S.Clancy, wie sie schreibt, alles sehr simpel. Alles, was sie zu tun hatte, war, Opfer von SKM zu finden und sie zu fragen, wie es war, als es geschah, und dann die folgenden Hypothesen zu testen: Je traumatischer der SKM war, umso (1) mehr psychischen Schaden werden die Opfer nachher berichten, und (2) umso wahrscheinlicher würden sie ihre Erinnerungen unterdrücken.]

20-22 [Die Befragten fand sie durch Inserate im Boston Globe. Während einer 10 Jahresperiode nahmen über 200 Männer und Frauen an diesem Forschungsprojekt teil (65% Frauen, 35% Männer)] Fast jedes Opfer berichtete, dass die SKM Erfahrungen in ihm Schäden hinterlassen hätten. Im Allgemeinen erfuhren sie Symptome aus dem Bereich der psychischen Störungen (z.B. Depression und Posttraumatische Stress Belastung). Obwohl nicht alle den Kriterien für eine wirkliche psychische Störung entsprachen, berichteten die meisten von multiplen adversiven Effekten. Sie glaubten, dass das, was passiert war, negative Effekte auf ihr Leben und ihre Beziehungen mit anderen hatte. Den SKM vergessen zu haben war nicht aussergewöhnlich: Ich hatte keine Probleme Leute zu finden, die von Perioden berichteten, während denen sie sich nicht an ihren Missbrauch erinnerten.

22 Die zweite Gemeinsamkeit unter den Opfern hatte ich nicht erwartet. In starkem Kontrast zu den Annahmen des traumatogenetischen Modells hatte nichts von dem, was die psychischen und kognitiven Schäden dieser Opfer verursacht hatte, mit Trauma zu tun. Sehr wenige Opfer berichteten von irgend einer Angst, Schock, Zwang oder Gewalt zur Zeit, als der Missbrauch geschah.

1 Wie war es, als es geschah?

23 Erin Taylor war die erste Person, die mich anrief. Sie sagte, dass sie nicht sicher sei, ob sie die Kriterien der Studie erfüllen würde. Auf die Frage, ob sie als Kind sexuell missbraucht worden sei, entgegnete sie „I’m not sure“. [Die Autorin formulierte die Frage neu:] „Hat ein Erwachsener mit ihnen sexuellen Kontakt gehabt, bevor Sie die Pubertät erreichten?“ Sie bejahte ohne Zögern.

26,27 Sie hatte nie mit jemandem über den Missbrauch gesprochen. Der Täter war ein erwachsenes Familienmitglied, sie war neun als es geschah. Es beinhaltete genitale Berührungen („Er bat mich, ihn zu masturbieren.“), Penetration mit dem Finger und oral-genitalen Kontakt. Es geschah fünf bis zehn mal während einer Periode von sechs Monaten.

[Clancy bat nun Erin um eine quantitative Einstufung auf einer Fünf-Punkte Skala (5 = sehr traumatisch, 1 = überhaupt nicht).]

27,28 „Können Sie bewerten, wie erschreckt sie waren?“

„Erschreckt?“

„Ja, erschreckt.“

„Umm. Sie meinen zur Zeit des Missbrauchs?“

„Ja, zur Zeit des Missbrauchs.“

„Not very … vielleicht eine Zwei?“

„Können Sie bewerten, wie schmerzhaft es war für sie…?“

„Schmerzhaft? Überhaupt nicht. Nein, schmerzhaft nicht. Eine Eins.“

„Können Sie mir sagen, wie schockiert sie waren?“

„Well, es war zuerst überraschend, vielleicht eine Drei?“

„Wie war es mit überwältigt sein? Fühlten sie sich überwältigt [overwhelmed], während es geschah?“

„Hmm, nein. Ich würde nicht sagen überwältigt. Anderthalb vielleicht?“

„Okay – nun alles in allem: wie traumatisch, würden Sie sagen, war die Erfahrung, als sie geschah?“

„Hmm… während es geschah?“

„Yes.“

„Ungefähr eine Zwei.“

28 In Anbetracht dessen, dass Erin definitiv die Kriterien eines SKM Opfers erfüllte, und in Anbetracht meiner Indoktrination, dass SKM invariabel eine traumatische Erfahrung für das Kind ist, wunderte ich mich, wie ihre Ratings so tief sein konnten.

28,29 „Erin,“ sagte ich, „Sie wurden als Neunjährige sexuell missbraucht, mehrere Male, durch jemanden, dem Sie vertrauten… Warum war es nicht traumatischer für Sie, als es geschah?“

Weil ich nicht verstand, was vor sich ging.“

„Wie meinen Sie das?“

„Was ich meine ist, dass ich nicht verstand, was Sex ist. Ich verstand nicht, um was er mich bat. Ich wusste nicht, warum er wollte, dass ich das tat, dass ich ihn dort berührte, dass ich das in meinen Mund nahm. Ich wusste rein gar nichts über sexuelle Angelegenheiten. Ich vermute, dass ich ein geschütztes Leben geführt hatte. Er sagte, es sei normal und ich entschied mich, ihm zu glauben.“

Auch dann, wenn sie nicht genau verstand, was vorging, konnte sie sicher sagen, dass es falsch war, oder ?

„Ich konnte aus der Art und Weise, wie er handelte, schliessen, dass das etwas war, über das ich nicht sprechen sollte. Und als sich einmal die Tür öffnete, als wir es machten, sprang er sehr schnell auf, so dass ich wusste, dass wir etwas Falsches taten.“

Aber wenn sie wusste, dass es falsch war, warum stoppte sie es nicht? Sagte nein? Warum geschah es so oft? Ich machte eine kurze Pause, dann fragte ich:

„Warum, ihrer Ansicht nach, haben Sie niemandem etwas gesagt?“

[30 Es folgt ein emotionaler Moment, die Frage scheint Erin zu bewegen. Dann Erin:]

30,31 „Schauen Sie, es ist kompliziert. Ich kannte ihn. Er war Teil meiner Familie… Ich liebte ihn. Ich traute ihm… Obendrein war er ein Erwachsener, und mir war immer gesagt worden, auf Erwachsene zu hören. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass er mir etwas antun könnte, was mir schaden würde… Ich tat es, weil ich ihn damit glücklich machte. Was immer es war, es war etwas, was er wollte… Ich wollte tun, was er wollte… Ich vermute man könnte sagen, dass ich bestrebt war, ihm zu Gefallen zu sein.“

31,32 Am Ende des Interviews sagte Erin, dass sie glücklich war, über den Missbrauch gesprochen zu haben und es „endlich weg von der Brust zu haben“. Ich war weniger glücklich. „Nichts war so gelaufen, wie ich es erwartet hatte.“ Was Erin mir sagte, ergab keinen Sinn. Es war eine schlimme Erfahrung für mich, von den Details ihres Missbrauchs zu hören – shocking, revolting, heartbreakingwarum war es denn für sie nicht schrecklicher, als es geschah? Zuerst nahm ich an, dass Erin ein aussergewöhnliches Opfer war. Das stellte sich als falsch heraus.

* * *

32,33 Samuel besuchte mit neun oder zehn Jahren ein Bibel-Camp und wurde dort von einem Counselor abgefangen, als er einmal direkt vom Pissen kam. Der Mann, der in seinen Zwanzigern war und als beliebt galt bei den Jungen, sagte, er müsse überprüfen, ob er sauber sei. Als Samuel wie geheissen seine Hosen herunterliess, sagte der Mann, dass er nicht sauber sei, und er ihn mit seinem Mund sauber machen würde. Dann sagte er, das er [Samuel] nun prüfen müsse, ob er [der Counselor] sauber sei. Er musste es [den Penis] in den Mund nehmen und eine Weile drin behalten. Samuel war sich später nicht sicher, ob der Mann ejakuliert hatte. Er tat es noch einige Male mit Samuel.

33 Samuel war ein „normales“ sexuelles Missbrauchsopfer. Er war durch jemand missbraucht worden, den er kannte, und er war ca. zehn. Doch wiederum gab es eine Überraschung für mich. Wie Erin berichtete Samuel nicht, dass der Missbrauch, während er geschah, besonders traumatisch war.

33,34 „Hat es weh getan?“

„Oh nein. Nein, ich würde nicht sagen, dass es schmerzte,“

„Waren Sie erschrocken?“

„Nein, überhaupt nicht. Vielleicht ein bisschen befremdet. Verwirrt ist das bessere Wort.“

„Waren sie geschockt oder entsetzt?“

„Nein, das wäre zu viel gesagt. Vielleicht überrascht?“

„Können Sie mir sagen, wie der Missbrauch für sie war, als er geschah?“

„Ich würde sagen… kompliziert… es ist schwierig zu erklären. Ich vermute… dass ich nicht wirklich verstand, was vor sich ging. Ich war ein ziemlich unschuldiges Kind. Ich wusste nicht wirklich, was ein blow job war… Was wirklich durch meinen Kopf ging war: Warum wollte er von mir, dass ich ihn (dort) küsste?“

„Sie sagen also, dass sie nicht verstanden, was vor sich ging? Sie verstanden nicht, dass es sexuell war?“

„Ich verstand nicht … wenn ich jemandem hätte sagen müssen, wäre ich nicht fähig gewesen zu beschreiben, was es war. Ich konnte auf eine Weise spüren, dass es falsch war – durch die Art, wie er reagierte – z.B. durch Schweigen, und indem er mir sagte, dass ich nicht darüber reden solle… Auch tat es nicht weh … So gab es keine Alarmglocken, die abgegangen wären.“

* * *

35,36 Carole [war eine 46 Jahre alte Hausfrau und Mutter dreier Kinder. Ihr Vater starb, als sie sechs Jahre alte war, worauf Carole mit ihrer Mutter zusammen zu ihren Grosseltern zog. Dort wurden sie und ihr Grossvater bald unzertrennlich. Manchmal, wenn sie zusammen TV schauten, sass Carole auf seinem Schoss, und manchmal legte er dann seine Hand auf sie, unter ihre Unterwäsche und befühlte sie [he’d feel me] in der Vaginalgegend. Manchmal drückte er sich an sie und rieb dann ihren Rumpf [crotch] an seinem und atmete dazu schwer. Manchmal spürte Carole dann Nässe in ihrer Hosen, sie wurden klebrig.]

36 In einer objektiven Perspektive war Carole klar missbraucht worden… Aber in einer subjektiven Perspektive, als Kind, sah sie es nicht als Missbrauch. Sie vertraute dem Täter, und was er tat, machte nicht weh. Sie hatte keine Idee, was Sex ist. Obwohl sie fühlen konnte, dass es falsch war, war sie sich dessen doch nicht wirklich sicher. Sie fand, dass die beste Vorgehensweise darin bestand, einfach mitzumachen bei dem, was mit ihr gemacht wurde. Carole: „Ich sage Ihnen, ich mochte nicht was er tat, aber ich verstand es nicht wirklich… Ich glaube, ich dachte einfach, dass es etwas war, was wir auf Grosspapas Schoss machten, wenn wir TV schauten.“

* * *

36,37 Diese ersten Geschichten erwiesen sich als bemerkenswert konsistent mit dem, was mir andere Opfers während der nächsten Jahre erzählten. Tatsächlich berichteten weniger als 10 Prozent der Teilnehmer, dass sie zu irgendeiner Zeit, als es geschah, ihre Missbrauchserfahrungen als traumatisch, angsterregend, überwältigend, lebensbedrohlich oder schockierend empfunden hätten.

37 Und warum war es nicht traumatisch? Gewöhnlich war ihnen der Täter bekannt, sie bewunderten ihn, liebten ihn, und trauten ihm – und er war nicht ein „freak mit einer Hockey Maske und mit einem Messer“, wie ein Opfer es hinstellte. Ferner schmerzte es nicht, es beinhaltete fast immer das Berühren und Küssen der Genitalien, und es war nicht begleitet von Gewalt oder Aggression.

Wie Kristin, eine 27jährige Architekturstudentin, es beschrieb: „Eines Nachts wachte ich auf, und er [ihr Stiefvater] kniete neben meinem Bett… Er sagte mir, dass ich schön sei und solches Zeugs. Dann nahm er meine Hand und legte sie auf seinen Penis. Er bewegte sie auf und ab und nach einer Weile atmete er heftig und dann fühlte ich etwas Nasses auf meiner Hand. Dann sagte er mir, dass ich so ein gutes Mädchen sei, dass ich machte, dass er sich gut fühlte.“

37,38 Tom, ein high school guidance counselor, sagte: „Es war nichts Gewalttätiges dabei, nichts wurde mit Drohungen erzwungen wie ‚Ich bring dich um‘, oder ‚ich werde es deinen Eltern sagen‘ oder so etwas. Es war alles seeeehr subtil. So subtil, dass ich nicht einmal wusste, dass es falsch war.

38 Anfänglich spielte es in meiner Perspektive als Forscherin keine Rolle, dass sie den Täter kannten, liebten oder ihm trauten. Es war nicht bedeutend, dass keine Gewalt oder Aggression eingesetzt wurde. Die Erfahrungen waren einfach horribel, und die Details anzuhören lud mich mit Angst, Schock und Ekel auf. Als Erwachsener verstand ich, dass die Ereignisse von sexueller Natur waren, sehr falsch waren und eine klare Verletzung der Rechte des Kindes. Aber ich war immer und immer wieder gezwungen, mich mit der Perspektive des missbrauchten Kindes zu konfrontieren. Ich musste aus meinem eigenen Kopf heraus und in den der Kinder hinein und sehen, dass ihre Reaktionen anders waren… Das Wort, welches 92 Prozent der Opfer gebrauchten, wenn sie beschreiben sollten, wie sie sich fühlten, war: Konfusion. Einige zufällig herausgezogene Opfer aus meiner Studien beschrieben es so:

38, 39 „Es war seltsam. Ich hatte keine Möglichkeit, es zu beschreiben.“

„Er hatte seine Hosen heruntergelassen, ich glaube, er hatte keine Unterhosen an, Es ergab einfach keinen Sinn für mich.“

„Es tat nicht weh und ich war zu jung um es als sexuell aufzufassen. … Die Erfahrung passte einfach nicht in meine Vorstellungen von richtig und falsch.“

39 Obwohl sie verwirrt waren, sagten die meisten (85 Prozent), dass sie fühlten, dass etwas an der Situation falsch war. Einige Opfer beschrieben es wie folgt:

„Ich wusste, dass es nicht recht war, seine Finger unter meinen Hosen zu haben…“

„Oh ich wusste, dass etwas falsch war, aber ich wusste einfach nicht was, um es wirklich benennen zu können.“

39,40 „An einem gewissen Punkt sagte er, ich sollte niemandem etwas davon sagen, dies sei etwas Spezielles zwischen ihm und mir, und es sei sehr normal. Ich glaubte ihm. Es fühlte sich nicht normal an, aber es fühlte sich auch nicht schlecht an. Im Grunde hatte ich keine Idee, was vor sich ging.“

40 Viele Opfer sagten, dass sie aufgrund der Art und Weise, wie der Täter handelte, wussten, dass es falsch war. Sie sagten mir,

Ich wusste nur deswegen, dass es falsch war, weil er mir sagte, es nicht meiner Mutter zu erzählen…

40 Alles was ich wusste war, dass der Missbrauch eine horrible Erfahrung sein musste, dass das Kind während des Geschehens traumatisiert würde – überwältigt von Angst, Schock und Schrecken. Aber so, wie die Opfer mir den Missbrauch beschrieben, war es keine Schwarz-Weiss-Situation.

41 Was taten sie also? In starkem Kontrast zu dem, was ich gelernt hatte, kämpften sie nicht dagegen an. Es war nicht gegen ihren Willen getan worden. Sie machten mit, taten worum sie gebeten worden waren. In ihren eigenen Worten „partizipierten“ sie, „konsentierten“ und erlaubten es.

41 Die Trauma Theorie besteht darauf, dass Kinder nur mitmachen, wenn sie gezwungen werden, bedroht werden oder richtig mit Gewalt dazu gebracht werden. Dies war in einer sehr kleinen Minderheit der Fall. Die meisten Opfer, mit denen ich sprach, hatten sehr differenzierte Motivationen. Gemäss ihrer eigenen Aussage widerstanden sie dem Missbrauch aus drei Gründen nicht:

  1. Vor allem anderen sagten sie mir, dass in ihrer Kinderzeit oft Erwachsene sie baten, Dinge zu tun, die sie nicht wirklich verstanden oder tun wollten. Verwirrende, unangenehme Dinge zu akzeptieren ist ein unvermeidlicher Teil der Kindheit

  2. 42,43 Kindern wird gesagt, auf Erwachsene zu hören, vor allem auf Erwachsene in Autoritätsposition. [Im weiteren bringt die Autorin dann Beispiele, die eigentlich unter einen eigenen Punkt gehören würden, der nichts mit Autoritarismus und Machtgefälle zu tun hat, sondern mit einem Bestreben, das vielen Kindern eigen ist: dem Bestreben, dem geliebten Erwachsenen zu Gefallen zu sein und ihn zufrieden zu stellen, damit er guter Laune ist.] „Ich wollte seine Gefühle nicht verletzen. Meistens war er wirklich nett,“

  3. 43,44 Belohnungen. Solche reichten von konkreten Belohnungen wie kleinen Geschenken zu abstrakten, aber mächtigen Verstärkungen wie Liebe und Aufmerksamkeit (Er sagte mir, dass ich es tun würde, wenn ich ihn liebe und ich wollte, dass er wusste, dass ich ihn liebte.) [Cl. Schildert dann verschiedene Familienverhältnisse, die diesem Streben förderlich sind.]

44,45 Einige Personen – niemals solche mit Penetrationserfahrung – berichteten auch, dass sie sexuell auf das reagierten, was ihnen geschah, und dass es sich manchmal gut anfühlte. „Es war verwirrend, aber ich mochte es. Es war ein gutes Gefühl.“ „Es war der erste Kontext, in dem ich sexuelles Vergnügen hatte..“ Eine Person, die von ihrem Camp Counselor viktimisiert wurde, war sich ganz sicher darin, dass sie es genoss: „Ich pflegte mich darauf zu freuen, dass er in meine Koje kroch. Es fühlte sich gut an. Was er tat, fühlte sich gut an. Es war das erste Mal, dass ich Erektionen entwickelte. Wenn er aufhörte… dachte ich, er täte es mit jemand anderem… war ich wütend auf ihn.“ Ein anderer Mann sagte mir, dass er während des Missbrauchs (durch einen Priester) seinen ersten Orgasmus hatte: „Ich war, nun, vielleicht zwölf? Ich hatte keine Ahnung, was vorging … ich wusste, dass es falsch war, aber ich wusste auch, dass es sich gut anfühlte...“

45 Manchmal wuchsen die Vorteile sich zu einem besseren Leben für das Opfer aus, wie bei jenem Mann (einer der 5 Prozent der Opfer, deren Missbrauch Verkehr [intercourse] einschloss), der mir erzählte: „Nun gut, manchmal tat es weh, aber es war total besser als zum Sozialdient zurückgehen zu müssen.“ Noch schlimmer kam das bessere Leben anderen zugute:

„Er machte meine Mom glücklich, und ich wollte das nicht stören.“

„Er bezahlte die Rechnungen, kaufte uns ein Auto… was immer es war, es schien ein kleiner Preis, was zurückbezahlt werden musste.“

2. Die Wahrheit über den sexuellen Missbrauch

47 Die Harvard University und ihr angeschlossene Einrichtungen wie die Harvard Medical School und andere sind weltweit bekannt als Zentren für Trauma Forschung. Es ist nicht schwierig, dort Leute zu finden, mit denen man seine findings diskutieren kann, und Psychologen, Psychiater und klinische Sozialarbeiter waren mehr als willig, mir ihren Input zu geben, als ich zu ihnen kam mit meinen Resultaten.

Ihre häufigste Reaktion? Genau was ich erwartete: Da muss etwas Ungewöhnliches sein an den Opfern. Ich muss ein Stichprobenproblem haben.

47-49 Welches Stichprobenproblem? Vielleicht hatte diese Opfer weniger schweren Missbrauch erlebt? … Da war [jedoch] nichts speziell gutartig oder unüblich an den Personen, die an meiner Studie teilnahmen. Ihre Erfahrungen widerspiegelten jene der allgemeinen Population der sexuell Missbrauchten. Missbraucher sind meistens den Kindern bekannt, der Missbrauch beinhaltet Küssen, genitales Berühren. Gewalt oder Brutalität ist selten involviert, und Verletzungen geschehen in weniger als 10 Prozent der Fälle. Was den Opfern in meiner Studie geschehen war, war bemerkenswert übereinstimmend mit nationalen Stichproben von Opfern in den USA.

50 [Ein anderer Einwand lautete, dass Clancy eine Stichprobe von psychisch besonders widerstandsfähigen – resilient – Opfern gefunden habe, die aus irgend einem Grund „tougher“, „weniger empfindlich“ waren als die meisten Opfer. Tatsächlich gab es in den 90er Jahren in den Fachzeitschriften über SKM eine Debatte über das „resilient child“, nachdem man festgestellt hatte, dass es eine Gruppe von Kindern gibt, die die erwarteten Symptome des SKM nicht aufwiesen. Cl. hält dem entgegen:]

50 Wie „resilient“ konnten denn ihre Opfer sein? Fast jedes einzelne von ihnen berichtete, dass diese Erfahrungen sie geschädigt hatte: Symptome des PTSD, Hauptdepression, Drogen- und Alkoholmissbrauch und sexuelle Probleme (von Interesselosigkeit über Orgasmusunfähigkeit bis hin zu Hypersexualität) waren extrem stark vertreten. 75 Prozent hatten Probleme mit dem Selbstwertgefühl u.a.m. Diese Opfer waren also auf dieselbe Weise geschädigt worden, wie die meisten anderen SKM-Opfer. [Aber die Schäden traten erst später auf, – das ist die Erkenntnis, die Clancy uns präsentieren will – der Übersetzer.]

52,53 [Ein weiterer Einwand:] Vielleicht stellten die Befragten ihren Missbrauch nicht als traumatisch dar, weil sie ihn nicht korrekt erinnerten. Vielleicht macht das retrospektive Design [= rückwärts gerichtete Befragung] der Studie sie besonders anfällig für unkorrekte Erinnerungen…. [Entgegnung von Cl.:] Retrospektive Forschung ist der meist verbreitete Forschungstyp auf dem Gebiet des Trauma [so dass von daher nicht zu erklären war, warum ihre Ergebnisse abwichen, oder dann] hätte der grösste Teil der Traumaforschung weggeworfen werden müssen.

54,55 [Es gibt die Theorie der Dissoziation. Diese besagt, dass Opfer von SKM während des Geschehens geistig dissoziieren, das heisst eine Art Persönlichkeitsspaltung erleben, indem sie das Gefühl haben, dass das, was gerade geschieht, nicht ihnen geschieht, sondern einer anderen Person. Hier geht es um einen Schutzmechanismus des Bewusstseins gegenüber physisch (Schmerz) oder psychisch unerträglichen Erfahrungen. Greift dieser Mechanismus, so erlebt sich das Opfer im Moment der Erfahrung nicht als dasjenige, das eben gerade das Unerträgliche erfährt, sondern als unberührten Zuschauer. Das Problem bei diesem in gewisser Hinsicht der Schonung dienenden geistigen Fluchtmechanismus ist, dass diese momentane Persönlichkeitsspaltung dazu tendiert, chronisch zu werden, indem das Opfer in seinem weiteren Leben, mindestens in gewissen Momenten, subjektiv aus mehreren Personen besteht. Cl. hält dieser Erklärung entgegen, dass ihre Befragten eine andere Erklärung hatten. Sie machten es ihr gegenüber ganz klar, dass der Missbrauch, während er anhielt, deswegen für sie nicht traumatisch war, weil sie nicht verstanden hatten, um was es ging.]

* * *

56 [Cl. holt dann weiter aus:] In der Wissenschaft geht es darum, Theorien zu entwickeln, die dann falsifiziert werden können; dass Daten auftauchen könnten, die die Theorie widerlegen. Sie gewann aber in der Auseinandersetzung mit der Literatur und in Diskussionen den Eindruck, dass die Theorie, wonach SKM traumatisch ist, in sich „nicht falsifizierbar war.“ Was immer ein Opfer sagte, was gegen die Traumatheorie lief, wurde von den Professionellen des Gebiets so reinterpretiert, dass es die Theorie bestätigte. Die Theorie konnte nicht als falsch bewiesen werden. Es schien, dass die Opfer nichts sagen konnten, was die Experten ihnen geglaubt hätten.

* * *

57 [Weiter Cl.:] Ich stellte nicht in Zweifel, dass SKM mit psychologischen Schäden beim Erwachsenen verbunden ist. Dreissig Jahre solider Forschung zeigten, dass dies der Fall ist. Noch bezeifelte ich, dass traumatische Erfahrungen im allgemeinen Langzeitschäden nach sich ziehen können. Ich bezweifelte, ob SKM gewöhnlich im Moment des Geschehens eine traumatische Erfahrung ist. Jetzt war es aber Zeit, das zu fokussieren, was die Opfer sagten, nicht was Experten sagten. Wie war der sexuelle Missbrauch gewöhnlich, wenn er geschah?

57 Man könnte meinen, diese Frage sei in Tausenden von Studien den Opfern gestellt worden. Ich fand heraus, dass dies nicht der Fall war. Wie ein Forscher sagt: „Die systematische Erkundung der subjektiven Erfahrung von Minderjährigen, die in sexuellen Kontakt von entweder negativer oder positiver Qualität mit Erwachsenen involviert waren, fehlt generell in der Literatur.ii [Cl fand dann rund 20 Studien, die in den letzten hundert Jahren durchgeführt worden waren und die Opfer gefragt hatten, wie ihr Missbrauch war, als er geschah.]

58 Paul Okami, einer der wenigen, die die Frage stellten, fand, dass viele Opfer ambivalente Antworten gaben. Die Antworten reichten von Angst zu Verwirrung und von Scham zu Interesse und Erregung, und oft berichtete dasselbe Individuum von mehreren Emotionen gleichzeitig. Unter denen, die die Erfahrung als 100 Prozent negativ einstuften (40% von Okamis Stichprobe) waren Zwang und Gewalt in nur nur 14,3 Prozent präsent. Die häufigsten Gründe für eine negative Bewertung hatten nichts mit Angst oder Schock zu tun, sondern resultierten aus der Tatsache, dass „mir etwas getan wurde, das ich nicht mochte oder nicht verstand“ oder „die Erfahrung verwirrte mich und machte mich ängstlich, weil ich nicht sagen konnte, ob es richtig war oder falsch.“

[In genau diesen Worten beschreibt 2018 die junge Hollywoodschauspielerin Bella Thorne das, was sie von klein auf täglich erlebte: „I never knew what was right or wrong growing up… I didn’t know the person sneaking into my room at night was a bad person.“ https://www.womenshealthmag.com/life/a19993390/bella-thorne-sexual-abuse/ ]

In einer Studie an einem College in West Virginia berichteten [nur] 15% von Furcht.iii In einer Studie an einer nationalen Stichprobe erklärten 30%, dass der Missbrauch angsterregend gewesen war, während er geschah.iv 2006 bat ein Team der Maastricht Universität in den Niederlanden Opfer von sexuellem Missbrauch, die Emotionen während des Missbrauchs rückblickend zu bewerten. Rund 85% hatten demnach ihren Missbrauch nicht als traumatisch empfunden.v

60 David Finkelhor, Direktor des einflussreichen Center for Child Victimization und namhafter Forscher über sexuellen Missbrauch an der Universität von New Hampshire, liess die Opfer eine Bewertung auf einer 5 Punkte Skala vornehmen (von positiv zu negativ). Die durchschnittliche Bewertung lag bei 3. Er schloss daraus, dass die meisten Opfer die positiven wie die negativen Elemente ihrer Erfahrung akzeptieren.vi In Diana Russels wegweisender Arbeit The Secret Trauma stuften 33% der Frauen ihre Missbrauchserfahrung als „extremely upset“ ein.vii In einem weiteren retrospektiven Survey berichteten die Forscher, dass die häufigste Reaktion zur Zeit des Missbrauchs „unangenehme Verwirrung“ und „Verlegenheit“ war.viii

60,61 [Was sich daraus sagen lässt:] Sexueller Missbrauch ist für viele Opfer keine traumatische Erfahrung, wenn er geschieht. Obwohl die meisten vom Missbrauch als negativer Erfahrung berichten, ist das Wort „negativ“ schlicht keine Synonym für Terror, Horror, Angst oder Schmerz. Um als traumatisch eingestuft zu werden, muss eine Erfahrung entweder Todesdrohung oder ernsthafte Verletzung einschliessen, oder mindestens die Art von überwältigender Furcht und Hilflosigkeit hervorrufen, welche von solchen Drohungen ausgeht.ix

61,61 David Finkelhor stellt fest:

„Die Theorie hinter dem PTSD (deutsch PTBS = PostTraumatische BelastungsStörung = Summe aller Symptome, die sich als Folge eines Traumas einstellen) passt nicht wirklich zur Erfahrung eines SKM. Die Theorie passt gut zu Traumas wie Kriegsschock und Vergewaltigung und wahrscheinlich zu SKM, der unter gewalttätigen Umständen passiert… Missbrauchserfahrungen mögen herabwürdigend sein, demütigend, und stigmatisierend, aber nicht notwendigerweise erschreckend oder die körperliche Integrität bedrohend. SKM kann nicht unter das framework des PTSD subsummiert oder in diesem erklärt werden.“ x

62 [Einer der Gründe, warum weiterhin am Trauma-Modell festgehalten wird:] Viele Professionelle sind schnell darin, einfach „weg zu erklären“, was die Opfer zu sagen haben. […]

* * *

63 Warum ist das Trauma Modell so dominant? Eine Erklärung kommt vom [wissenschaftl. Gebiet der] Entwicklung des Kindes, vor allem von Forschern, welche studieren, wie Kinder sexuelle Informationen verstehen und auf sie reagieren. Sie glauben, dass [in der Wissenschaft] oft ein erwachsenen-zentrierter Blick vorliegt. Es wird versucht SKM Erfahrungen zu verstehen, indem ein Erwachsenen-Bezugsrahmen angewendet wird, anstatt ein kind-generierter. Die klinischen Psychologen S. Burkhardt & A. Rotatori arbeiten in ihrem ausgezeichneten Buch Treatment and Prevention of Childhood Sexual Abuse: A Child-Generated Model diese Idee heraus: „Aufgrund der moralisch verwerflichen Natur des sexuellen Kindesmissbrauchs haben die Forscher die verständliche Tendenz, die Ängste, Ekel und Schrecken in das kindliche Opfer zu projizieren.“ Sie [B.&R.] unterdrücken kaum ihre Wut: „In dieser Erwachsenenposition wird die Sicht des Kindes kaum wahrgenommen,“ und andere Forscher stimmen zu.xi In einem kontroversen Kapitel, getitelt: „Die Professionelle Antwort auf SKM“ kommen die Autoren zum Schluss: „Es ist erstaunlich, dass gut-meinende Professionelle, die für die kindlichen Interessen arbeiten, sich entschieden haben, die Erfahrungen der Kinder von solchen Handlungen zu ignorieren.xii

[…]

66,67 David Finkelhor: „Was aus der Erwachsenenperspektive wie eine schreckliche Verletzung sozialer Tabus aussehen mag, muss für das Kind nicht so sein. Eine sexuelle Erfahrung mit einem Kind mag etwas Ungewöhnliches sein, vage unangenehm, vielleicht sogar im Moment traumatisch, aber keine Horrorstory.“ xiii Kurz: Weil Kinder eine amorphe [hier: chaotische] Vorstellung davon haben, was sexuell ist, erkennen sie mit einiger Wahrscheinlichkeit sexuelle Handlungen und Absichten nicht, wenn sie von anderen kommen, oder sie interpretieren sie als etwas anderes. Jon Conte und Lucy Berliner, Experten auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs, die am Sexual Assault Center des Seattle Harborview Medical Center arbeiten, unterstützen klar diesen Gesichtspunkt. In einem Paper mit dem Titel „The Process of Victimization: The Victim’s Perspective“ notieren sie, dass die Mehrzahl der sexuellen Missbrauchsopfer, die sie studierten, zur Zeit als der Missbrauch geschah, nicht wussten, dass sie sexuell missbraucht wurden. Die Opfer machten solche Äusserungen wie „Ich wusste nicht, dass daran etwas falsch war, weil ich bis später nicht wusste, dass es Missbrauch war. Ich dachte, dass er mir Zuneigung zeigen würde.“ xiv

69 Jedoch: Ein Kind kann oft spüren, dass Missbrauch falsch ist, weil der Täter in gewisser Weise kommuniziert, dass das, was geschieht, schlecht ist (indem er das Kind warnt, nichts weiter zu erzählen, indem er sich versichert, dass der Missbrauch im Verborgenen geschieht, oder indem er mit Furcht reagiert, wenn jemand sie beide zusammen sieht.)

69 Anfänglich war ich schockiert, wie oft mir die Opfer erzählten, dass sie am Missbrauch partizipierten, dass sie mitgingen, und dass sie nicht dagegen kämpften oder es berichteten. Die historische Literatur ging jedoch in die Tiefe dieses Phänomens.

69,70 Karl Abraham [siehe oben] notierte 1907, dass sexuell Missbrauchte in zwei Kategorien fielen. Bei der ersten Gruppe ist der Missbrauch gewalttätig, und wird meistens durch einen Fremden ausgeübt, das Opfer ist sich im Klaren, dass das falsch ist. Es reagiert stark negativ und berichtet den Missbrauch. Abraham bezeichnet den Missbrauch als zufällig, heute könnte man ihn als traumatisch bezeichnen. Die zweite Gruppe etikettierte Abraham mit „partizipierende Opfer“. Hier ist der Missbrauch nicht violent, das Opfer kennt den Täter, versteht nicht was geschieht, hat oft mehr als eine Erfahrung mit dem Missbraucher, behält das Geheimnis für sich, und bekommt manchmal eine Belohnung vom Täter. 41 Aufgrund eines [späteren] Durchblicks durch die Forschung kann gesagt werden, dass es sich um die bei weitem häufigere Kategorie handelt.xv

70 1977 veröffentlichten Judith Hermann und Linda Hirschmann eine klinische Studie von 15 erwachsenen Frauen, die durch ihren Vater als Kinder missbraucht worden waren. Die meisten ertrugen den sexuellen Kontakt und wurden dafür vom Vater speziell behandelt. Sie bekamen ein Gefühl von Macht und Gratifikation dadurch, dass sie die Mutter ersetzten. Die Autorinnen theoretisierten, dass dies von emotionaler Deprivation in der Geschichte der Opfer resultierte.xvi

[…]

72 Kinder zeigen sich gefällig, und von ihnen etwas anderes zu erwarten ist schlicht unrealistisch. Sie leisten kaum Widerstand, rennen davon, schreien um Hilfe oder geben Bericht über den Täter…

* * *

74 Zu Beginn meiner Forschung glaubte ich, dass SKM meistens mit Krafteinsatz oder gewalttätig geschehe, und etwas sei, was klar gegen den Willen eines erschreckten Kindes gehe. Ich glaubte auch, dass es das war, warum so viele Opfer später im Leben psychologisch geschädigt waren, und warum viele die Erinnerung unterdrückten oder den Missbrauch für lange Zeit vergassen. Jahre später tauchte ich mit einer völlig verschiedenen Perspektive auf. Offensichtlich ist etwas sehr falsch an der Konzeptualisierung des SKM als traumatischer Stress, welche so dominant war auf diesem Gebiet.

3. Die Politiken des sexuellen Missbrauchs

78 Wenn die Leute hörten „nicht traumatisierend, während es passiert,“ übersetzten sie meine Worte in „es schädigt die Opfer später nicht.“ In direktem Kontrast zu dem, was manche glaubten, war es nicht der Punkt meiner Recherche, den Schaden zu minimieren, den Missbrauch verursacht, sondern unsere Annahmen darüber in Frage zu stellen, was wirklich die Ursache für den Schaden ist.

80 Wie und warum tauchte das Trauma-Modell als das zentrale Paradigma der Interpretation für Langzeit-Wirkung von SKM auf?

80 Die Konzeptualisierung des SKM als Trauma tauchte in den frühen 1980er Jahren auf. Welche professionellen Theorien hatten vorher existiert? Als jemand, der in der Zeit aufgewachsen war, wo die meisten Professionellen anerkannten, dass SKM eine verbreitete und schädliche Form der Viktimisierung ist, war ich von dem schockiert, was ich in der historischen Literatur sah. Während des grössten Teils des 20 Jh. glaubten viele Professionelle des Mental Health-Bereichs etwas anderes.

81 Vor allem wurde SKM als eher seltenes Ereignis betrachtet, Noch 1975 schätzte ihn ein Standardlehrbuch der Psychiatrie auf einen Fall per Million [Einwohner]. Bis Kinsey’s Arbeit in den späten 50ern erschien, gab es keine grossangelegte Studie über das Vorkommen von SKM.

Im späten 19.Jh. fand sich S.Freud mit einigen Patienten konfrontiert, die von sexuellen Begegnungen berichtete, welche sie in der Kindheit mit Erwachsenen gehabt hatten. Anfänglich glaubte Freud seinen Patienten. 1896 stellte er in seiner klassischen Arbeit „Die Ätiologie der Hysterie“ die Behauptung auf, dass der sexuelle Missbrauch die „Neurose“ verursacht hatte, die seine Patienten zu ihm in die Praxis brachten.

82 Aber Freud änderte schnell seine Meinung. 1897 erklärte er in einem Brief an seinen Freund Wilhelm Fliess, dass es kaum glaubhaft war, dass solch perverse Akte so allgemein verbreitet waren. Er schloss, dass seine Patienten effektiv die Missbrauchserfahrungen erfunden hatten, die sie berichteten. Ihre psychischen Symptome stammten nicht von wirklichen sexuellen Erfahrungen, sondern von der Fantasie. Nach Freud waren sie durch die ödipale Situation [Situation des Kleinkindes zwischen Vater und Mutter; das Mädchen begehrt den Vater, der Junge die Mutter, dies wird ihm durch den evtl. übermächtigen andersgeschlechtlichen Elternteil verwehrt], die sie schlecht meisterten, dazu gekommen, ihre sexuellen Wünsche, die sie gegenüber ihren Eltern hatten, in sozial akzeptable Form zu transformieren. Manche Autoren sind der Ansicht, dass Freuds Vermächtnis zu einem hartnäckigen Vorurteil wurde, welches viele Professionelle hielten, indem sie annahmen, dass Opfer über den Missbrauch lügen. So wird in einem weit verbreiteten und zitierten Text gewarnt, dass „Frauen und Mädchen prädisponiert seien, falsche Anklagen gegen Männer von gutem Charakter hervorzubringen“ und dass diese Anklagen ahnungslose Richter überzeugen könnten.“ Er empfahl darum, „jede weibliche Klägerin durch einen Psychiater untersuchen zu lassen, um ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen.“ 12

83 Obwohl einige Professionelle anerkannten, dass SKM existierte, waren sie schnell bereit, solche Fälle als harmlos für das Opfer abzutun, Die Mehrheit der Übergriffe wurde als leicht und kurz-lebig bewertet. Warum? Weil, wie ich in Kap. 2 diskutierte, die Opfer berichteten, dass Zwang und Gewalt kaum dabei waren. Wie John Gagnon, einer der hervorragendsten Experten, es 1965 hinstellte; „Der grosse Teil des SKM wird von minimalem Charakter sein… Das Ausmass des Schadens ist – wenn überhaupt – begrenzt.“ 13 C.Henry Kempe, ein weltweit anerkannter SKM Experte [und Gründer der wissenschaftlichen Zeitschrift Child Abuse & Neglect], argumentierte 1978, dass „die meisten sexuellen Übergriffe normalen Kindern wenig schaden.“ xvii Der Konsens unter den meisten Professionellen war, dass diese Taten im Wesentlichen nur eine Belästigung darstellten, und kaum eine Bedrohung oder physischen Zwang beinhalteten. 15 2003 schrieb ein Forscher rückblickend, dass die Wahrnehmung von Kindesmissbrauch ebenso unschuldig war, wie das heutige Bild davon bedrohlich ist. 16

84 Wenn ein Missbrauchsopfer berichtete, dass es psychisch beschädigt worden sei, wurde das so hingestellt, dass der Schaden wahrscheinlich schon vor dem Missbrauch existiert hatte, dass das Opfer schon eine Disposition zur Neurose oder Psychose im späteren Leben hatte.xviii 18 Es wurde auch vermutet, dass irgendwelche psychologischen Probleme mit denselben Ursachen zu tun hatten, aus denen das Opfer überhaupt missbraucht wurde – nämlich damit, dass sie oft Komplizen beim Missbrauch waren, in dem Sinne, dass sie keinen Widerstand leisteten oder es nicht meldeten, aus denselben Gründen also, die ich weiter vorne diskutierte. Die Professionellen interpretierten das so, dass der Missbrauch der Fehler des Kindes war.

84,85 Ein Beispiel dafür ist Karl Abraham, ein Schüler Freuds, der als einer der ersten feststellte, dass die Kinder zu ihrem eigenen Missbrauch hin neigten. „Das Opfer mag unbewusst den Täter versuchen… Wir finden manchmal diese verführerische Neigung bei jungen Mädchen, indem sie flirten… und sich dadurch mehr oder weniger unbewusst den sexuellen Attacken aussetzen.“ xix

85 Laurette Bender eine berühmte Kinderpsychiaterin und eine der ersten, die sexuelle Erwachsenen-Kind-Begegnungen erforschten, fand, dass alle Kinder, die sie interviewte, „ungewöhnlich attraktive“ Kinder waren, die verführerische Angebote an die Psychiater machten. Sie stellte fest: „Es ist nicht erstaunlich, dass wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass das Kind der aktive Verführer war, eher als dass es verführt worden war.“ xx [Hier geht es zu einer leicht gekürzten deutschen Übersetzung des zitierten Artikels: https://montebasso.wordpress.com/2018/08/07/die-reaktion-der…-mit-erwachsenen/]

Zwischen 1930 und 1970 war die Literatur voll von Fallstudien von „verführerischen Kindern oder „pathologisch bedürftigen Kindern“. 22 Wie ein weiterer Autor 1954 meinte, „Allgemein ist die Tatsache, dass ein bestimmtes Mädchen zum Opfer wird, nicht zufällig: da ist etwas in ihrem Hintergrund, die Persönlichkeit oder ihre familiäre Situation, welches sie zur Teilnahme prädisponiert. 23 [Vermutlich die erste gross angelegte empirische Studie zu diesem Thema, die früher erschien als die von Bender & Blau, aber zu ähnlichen Resultaten kam wie diese, kennt Clancy offenbar nicht, vermutlich, weil sie deutschsprachig erschien. Hier finden sich Auszüge aus dem Artikel von Augusta Rasmussen, 1934.xxi Ebenda kann er auch vollständig heruntergeladen werden: https://montebasso.wordpress.com/2018/06/08/krankhafte-wirku…chweisen-koennen/ ‎ Rasmussens Analyse vonl 54 Gerichtsfällen ergibt nicht nur ein Zeitbild des um die vorletzte Jahrhundertwende offensichtlich ziemlich anderen Verhältnisses zwischen Männern und Mädchen und den vielgestaltigen Begegnungsmöglichkeiten zwischen diesen, sondern auch davon, wie Eltern oder Schwestern den Schaden sexueller Vorfälle bewerteten – plus wie diese vom Gericht bestraft wurden (unglaublich milde).]

86 Nur 40 Jahre früher wurde ein 11 Jahre altes Mädchen vor das Jugendgericht gebracht, weil es sexuellen Verkehr mit einem sechzigjährigen Mann gehabt hatte, der sich selber in einem Park einbachte. Der Mann wurde frei gesprochen, das Gericht weigerte sich, ihn ins Gefängnis zu schicken, „wegen eines Mädchens wie diesem“. Aufgrund der Aufzeichnungen des Gerichts ist es klar, warum sie als der Täter betrachtet wurde; sie hatte den Vorfall verursacht,und jeder mögliche Schaden, den sie erlitten hatte, war trivial im Vergleich mit ihrer moralischen Verderbtheit. 24 Eine Wissenschaftlerin fasst zusammen: Für die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts wurden kindliche Opfer als Sexualdelinquenten abgestempelt, sofern man sie nicht als Lügner ansah. 25

87 Die professionellen Annahmen über SKM begannen sich in den 1960ern zu ändern. Anfänglich führten Mitglieder der Kinderschutzbewegung diesen Wandel an. 1962 publizierte C.Henry Kempe [siehe oben] „The Battered-Child Syndrome“, ein Bericht über eine nations-weite Untersuchung über körperliche Misshandlung von Kindern. Er zog massive Aufmerksamkeit auf sich, worauf jeder US-Staat ein Gesetz erliess, welches Meldung über die Misshandlung von Kindern verlangte. Der Bericht zog auch Forschung über alle Formen von Kindesmisshandlung nach sich, eingeschlossen sexuellen Missbrauch. 27

87,88 Gemäss den Resultaten zweier nationaler Studien aus den späten 60ern war sexueller Missbrauch verbreitet und viel häufiger als angenommen. Einer der Autoren hielt fest, dass die meisten Übergriffe nicht durch „perverse Fremde“ begangen wurden, sondern durch mit dem Kind vertraute Erwachsene. Hier wurden auch die Gefahren und Langzeit-Folgen als gravierend bezeichnet. Er forderte einen koordinierten Schlag gegen das Problem. 28

88 Um dieselbe Zeit herum tauchte eine zweite Gruppe auf, die sich auf dem Feld des SKM einsetzte: Feministinnen. In The Dialectic of Sex verlangte Shulamith Firestone, eine Mitbegründerin der New Yorker Radical Feminists, den SKM zu ihrem Thema zu machen, und die Befreiung des Kindes aus der männlichen Unterdrückung als mit der Befreiung der Frau verbunden zu behandeln. 29

89 Die professionellen Annahmen über die Seltenheit, Harmlosigkeit und die Rolle der Opfer machte die Feministinnen wütend. In einem überaus einflussreichen Beitrag präsentierte Florence Rush, eine damals führende Feministin, unter dem Titel „The Freudian Cover-up: Über die Freudsche Theorie:

Sie [die F.Theorie] macht aus einer realen Erfahrung eine Fantasie, oder im besten Fall harmlose Realität, während der bekannte Täter ignoriert wird… Die Erfahrung des Kindes ist so erschreckend wie der schlimmste kafkaeske Albtraum: ihre Geschichte wird nicht geglaubt, sie wird für krank erklärt, und – schlimmer – sie wird der Gnade und dem „Wohlwollen“ psychiatrischer „Kindesexperten“ überlassen.xxii

89,90 Tatsächlich warfen Feministinnen den Professionellen der Psychiatrie nicht nur vor, dass sie Evidenz bei Misshandlung von Kindern durch Männer unterdrückten („Verschwörung des Schweigens“), sondern auch zugunsten der Männer betriebenes blame shifting [Schuldverschiebung]. Umgeben von einer Aura der Wissenschaftlichkeit würden ihre Theorien es ihnen erlauben, die sexuelle Ausbeutung von Kinder zu verheimlichen. Florence Rush hatte [schon] am 17.April 1971 anlässlich der ersten Konferenz der New York Radical Feminists für die Abschreibung fast aller bisherigen und für eine neue Forschung plädiert, die die Schädlichkeit anerkenne und nicht die Opfer beschuldige. 33

[…]

[91] Für die Feministinnen war der Täter immer und zu hundert Prozent schuldig. Sie griffen jede Theorie oder Forschung an, die etwas anderes vorschlug, wie z.B. Forschung, welche die Tatsache betonte, dass Kinder manchmal gefällig sind (‚comply‘) oder kaum Widerstand leisten. 35

[Siehe dazu Rudolf Wyss, „Unzucht mit Kindern“, bzw. der Beitrag über ihn hier: https://montebasso.wordpress.com/2018/12/24/nicht-selten-sind-aber-die-opfer-selber-aktiv-oder-verfuehrend-vorgegangen/ sowie die autobiographische Darstellung „Ich wurde missbraucht. Und ich liebte es.“ von Jillian Lauren, hier: https://montebasso.wordpress.com/2017/05/14/meine-unangemessene-beziehung-ich-war-12-und-er-war-mein-20-jahre-alter-camp-betreuer/. Für eine umfassende, systematische Darstellung, auf den Erfahrungen eines FBI Agenten beruhend, siehe Kinder als willige Opfer: Gibt es das? Von Kenneth V. Lanning, hier: https://montebasso.wordpress.com/kinder-als-willige-opfer-gibt-es-das/?frame-nonce=e57225e812

Sehr spontan wird das auch in zahlreichen selbst-bekennenden Kommentaren zum Blog der schwer Missbrauchten Faith Allen deutlich: https://faithallen.wordpress.com/2008/11/18/do-sexually-abused-children-enjoy-orgasms-from-rape-or-sexual-abuse/ Einer dieser Kommis findet sich hier: https://montebasso.wordpress.com/2017/09/01/sie-behauptet-es-genossen-zu-haben/ Wobei ich den Ausdruck „schuldig“ hier so oder so für deplatziert halte. Wenn Kinder aktiv werden oder passiv, aber mit Lust dabei sind, sollte das nicht als gleichbedeutend mit „schuldig“ bewertet werden.]

91,92 Die Feministinnen hatten eine interessante Herausforderung zu meistern: wie sollten sie die Tatsache erklären, dass die Opfer selber sagten, sie hätten dem Missbrauch kaum Widerstand geleistet, dass sie oft partizipierten, und dass die meisten sich dazu entschieden, nicht zu berichten, was passiert war, und zu schweigen? Die feministische Lösung bestand darin, den Missbrauch als gewalttätiges Verbrechen zu konzeptualisieren, sexuellen Missbrauch gleich zu behandeln wie Vergewaltigung. Wie Judith Hermann in ihrem weit gepriesenen Buch Trauma and Recovery erklärt: „Die feministische Bewegung offerierte eine neue Sprache für das Verständnis der Folgen des sexuellen Missbrauchs. Feministinnen definierten Missbrauch neu, eher als Gewaltverbrechen, denn als sexuellen Akt. Wie Herman selber sagt, war diese „simplizistische Formulierung“ hervorgebracht worden, um der Ansicht zu begegnen, dass der SKM in irgendeiner Weise der Fehler des Opfers ist. Feministinnen definierten Vergewaltigung auch als Methode der männlichen politischen Kontrolle, die die Unterordnung der Frauen durch Terror erzwang.

* * *

93 IST SEXUELLER MISSBRAUCH WIRKLICH IN DERSELBEN VERBRECHENS­KATEGORIE WIE VERGEWALTIGUNG? Gemäss dem, was Opfer sagten, nicht wirklich. Er ist weit komplexer und vielgestaltiger.

Öffentliche und professionelle Aufmerksamkeit folgte schnell.Von den Mitt-70ern an war das Thema sexueller Missbrauch sowohl auf der Agenda des Kindesschutzes wie auch der feministischen Bewegung. Staatliches Geld begann zu fliessen, Demonstrationen gegen sexuellen Kindesmissbrauch und Vernachlässigung fanden verbreitet statt, Forschungszuwendungen wurden gewährt, und die Anstrengungen der Kindeswohlfahrtsorganisationen (wie z.B. das Einrichten von Kinder-Hot lines) wuchsen. Solche Initiativen zogen eine zunehmende Zahl von Professionellen in die Kindesmissbrauchs- und „Schutzindustrie.“ Ein neues Journal, genannt Child abuse and Neglect wurde 1976 lanciert. Die Aufmerksamkeit der Medien folgte. 1977 wurde ein explosiver Artikel, betitelt „Incest: Sexual Abuse Begins at Home“ weitherum verbreitet und zitiert. 40 Zwischen 1978 und 1982 erschien mindestens ein Dutzend Bücher zum Thema sexueller Missbrauch – die Hälfte davon waren autobiografisch. xxiii Es gab viele Filme, TV Dokus, und Zeitungsartikel zum Thema. Umfrageresultate zeigten an, dass bis 1980 die meisten Amerikaner dazu eine Mediendiskussion gesehen hatten. 42 Die professionelle und gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die das Thema gewann, war ohne Beispiel. Sie signalisierte einen kompletten und totalen Bruch mit der früheren theoretischen Orientierung. Es war eine neue Perspektive gegenüber dem Schaden und der Unschuld des Opfers; eine die nicht als rationale Antwort auf irgend welche solide Daten entstand, sondern aus Gründen der politics.

94,95 Tatsächlich wurde alle vorhandene wissenschaftliche Forschung über die unschädliche Natur des sexuellen Missbrauchs oder über partizipierende Opfer entweder verworfen oder ignoriert, und das nicht aus methodologischen, sondern aus moralischen Gründen… Das neue Schwergewicht lag auf Violenz, Gewalt und psychischem Schaden. 43

95 Bei der ersten Forschungswelle, zwischen Mitte 1970 und Mitte 1980, ging es darum zu zeigen, wie schädlich sexueller Missbrauch war. Was herausschaute, war eine abgestufte Katalogisierung aller psychologischen Symptome. Sie waren zahlreich und reichten von mood disorder bis zu Beziehungs- und sexuellen Problemen, zu Essstörungen, Selbstverstümmelung und Alkohol- und Drogenmissbrauch, und zur Psychose. In der neuen Perspektive verursachte der sexuelle Missbrauch direkt diese Probleme, aber, wie Psychologen oft selber notierten, konnte dies nicht als bewiesen angesehen werden. Nach Angela Brown und David Finkelhor konnte nicht gezeigt werden, dass der Missbrauch die unmittelbare Quelle war.xxiv

97 In den frühen 80er Jahren wurde ein möglicher Mechanismus identifiziert, der vielleicht beweisen konnte, dass SKM schädlich ist. Der Mechanismus wurde „psychologisches Trauma“ genannt. Zehn Jahre früher hatten Professionelle gross angelegte Studien über psychologische Spätfolgen an Vietnam Veteranen angestellt. Die Nöte, die diese bei der Wiedereingliederung in das zivile Leben erfuhren, wurden auf das Trauma zurückgeführt, welches als überwältigende Furcht, Horror und Hilflosigkeit während lebensbedrohlichen Ereignissen in einer Schlacht erfahren wurde. 45

98 Während dieser Periode wuchs das professionelle Interesse an traumatischen Erfahrungen exponenziell. 46 1980 wurde die Diagnose „Posttraumatic Stress Disorder“ (PTSD) [deutsch: Posttraumatische Belastungsstörung PTBS] in das psychiatrische Diagnostik-System DSM-III aufgenommen.

99/100 Das Problem war natürlich, dass anfänglich die Verbindung zwischen der PTSD Diagnose und dem sexuellen Missbrauch keineswegs offensichtlich war. Die klassische PTSD Theorie sagt, dass die Symptome von einem überwältigenden Ereignis stammen, welches in Hilflosigkeit angesichts von unerträglicher Gefahr, Angst und/oder Erregung besteht. 47 Es ist eine Theorie, die gut zu Erfahrungen passt wie Schock und Vergewaltigung und zum (seltenen) Missbrauch, der unter gewalttätigen [violent] Umständen stattgefunden hat. Sexueller Missbrauch ist weniger ein Ereignis und mehr eine Situation, eine Beziehung oder ein Prozess, einer der oft während einer Zeitperiode anhält. 48 Der meiste SKM beinhaltet die subtile Manipulation von Kindern über eine Zeit hinweg durch Erwachsene, die sie kannten und in die sie vertrauten – das Trauma-Modell passt für Fälle von Vergewaltigung durch Fremde, aber für normale Fälle passt es nicht wirklich.“ xxv

100 Das schien aber keine grosse Rolle zu spielen. Artikel und Bücher begannen die Schädlichkeit des SKM als Form von posttraumatischem Stress zu behaupten – als direkte Folge des Traumas, welche Opfer während des Missbrauchs erfuhren. So unterstützte es [das Konzept von der] Unschuld des Opfers, indem es den Fokus von dessen emotionalen Reaktionen auf den sexuellen Kontakt, oder der Interpretation vom sexuellen Kontakt, auf diesen selber verschob, Von da an wurden sexuelle Erwachsenen-Kind-Begegnungen als in nahezu jedem Fall traumatisch für das Kind verstanden.

101 Eine positiv bewertete Eigenschaft dieses Modells war die Bedeutung, die es dem Geschehen „ausserhalb“ der Psyche zumass; es lokalisierte die „Beweislast“ fast vollständig ausserhalb des Opfers. So betonte es die Unschuld des Opfers, indem es den Fokus von dessen eigenen emotionalen Reaktionen oder von Interpretationen desselben [siehe unten] auf den sexuellen Kontakt selber verschob.

101 Ein anderer, ebenfalls gewinnender Aspekt des Modells war, dass negative Folgen wie Drogensucht jetzt verstanden werden konnten als Coping-Antworten [Bewältigungsstrategien] auf den Missbrauch, als „zur Gewohnheit gewordene Überbleibsel einer in der Kindheit schmerzhaft erlernten Überlebensfähigkeit.“ 51 Sogar Schuldgefühle und Scham – Gefühle welche die Erwachsenen oft berichten – konnten jetzt als selbst-schützende Coping-Verteidigungen konzeptualisiert werden – nicht als normale Reaktionen auf den Missbrauch, sondern als Symptome einer darunterliegenden Störung.

102 Kurz: Das Trauma-Modell unterstützte die Unschuld des Opfers, indem es den Schaden in den Bedingungen der Erfahrung selber lokalisierte. Wie ein Soziologe es hinstellte, bestand ein Haupt“vorteil“ [Anführungszeichen durch Übersetzer] darin, dass es die moralische Schande auf den Täter legte, inklusive der Verantwortung für die Passivität des Kindes und sein Schweigen, indem es die Ursache der Pathologie im kompletten Dominieren des Täters sah. 52

[…]

106 Soziale Bewegungen geben Ereignissen einen Rahmen, sprechen ihnen Bedeutung zu und interpretieren sie auf eine Weise, die potenzielle Anhänger mobilisiert und Unterstützung verschafft. Nachdem SKM als traumatisch „ge-framed“ wurde [mit einem Bedeutungsrahmen versehen wurde, der ihn als traumatisch erscheinen liess], erfüllten Kindeswohlfahrts-Advokaten, Feministinnen und Professionelle der Psychiatrie und Psychologie diese Erwartungen. Wie Judith Herman in der Einleitung zu Trauma and Recovery feststellt: „Ohne den Kontext der politischen Bewegung wäre es nie möglich gewesen, das Studium des psychologischen Trauma voranzutreiben.“ 56

* * *

107/8 Vor einigen Jahren gab ich an einer akademischen Konferenz einen talk zu meiner Forschung. Mein Ziel war klar: Wir sollten unsere Wahrnehmung von dem, was während und nach SKM geschah, ändern. Am Ende fragte mich eine auf sexuellen Missbrauch spezialisierte Therapeutin, warum die Professionellen etwas ändern sollten. Selbst wenn ich recht haben sollte und sexueller Missbrauch während des Geschehens nicht traumatisch war – was war falsch daran, weiterhin das zu glauben, was Professionelle glaubten?

108/9 Der Grund, warum die Wahrheit wichtig ist, liegt darin, dass unsere Lügen dem Opfer nicht helfen. Wie ich in den nächsten zwei Kapiteln, basierend auf dem, was Opfer zu sagen haben, diskutieren werde, haben die Professionellen nicht viel Fortschritt für sie erreicht. Unglücklicher­weise ist das gegenwärtige Klima für Überlebende des SKM nicht viel anders als in der Vergangenheit. Die Opfer fühlen sich noch immer ignoriert, sie sprechen sich selten aus über die Verbrechen gegen sie, und wenn sie es tun, wird ihnen noch immer nicht geglaubt.

4 Warum der Trauma Mythos den Opfern schadet

112 Charakteristika des sexuellen Missbrauchs, bezogen auf das Trauma (wie z.B. wie erschreckend er war, ob Penetration erfolgte, Gewalt angewendet wurde) ergeben keine guten Anhaltspunkte, um die Schäden beim Opfer vorauszusagen. 3 Es scheint keine direkte, lineare Beziehung zwischen dem Schweregrad des Missbrauchs und den psychosozialen Schwierigkeiten zu geben, die das Opfer als Erwachsener erfahren wird. […]

113 Professionelle hätten mehr Aufmerksamkeit auf das legen sollen, was Opfer von Anfang an zu sagen hatten. Eine wachsende Zahl von Forschern stimmt überein, dass das Verständnis davon, wie und warum SKM Opfer schädigt, wenig mit dem Abusus selber zu tun hat, aber viel damit, was im Nachgang dazu geschah. Davin Finkelhor zum Beispiel kam in seinem Buch Childhood Victimization zum Schluss, dass das Nachzeichnen der [späteren] kognitiven, Verhaltens- und Entwicklungspfade sich als fruchtbarer herausstellen könnte, als weiterhin das Gewicht auf Schweregrad und Art des Traumas zu legen. Ich glaube, dass die Opfer das schon immer gewusst haben. 7

* * *

[Jen, ein 65jähriges, von Clancy befragtes Opfer, sagte:]

114 „Warum stellen sie so viele Fragen dazu, wie es war, als es geschah? Was Sie fokussieren sollten ist, wie es später war.“

114/5 An dem Punkt, wo ich damals stand, hatte ich wenig Erfahrung mit dem Interviewen von Opfern des SKM. Ich hatte aber viel Erfahrung mit dem Interviewen von Opfern von anderen schrecklichen Erfahrungen (Unfälle, Krieg, Naturkatastrophen, Entführungen), und ich liess die Opfer ihre traumatischen Ereignisse zur Zeit des Geschehens bewerten. Keines in jenen Studien hatte mir je so etwas [wie Jen] gesagt. Von da an stellte ich meine Fragen in zwei Teilen: Wie war die Erfahrung, als es geschah? Und wie ist sie heute für Sie, wenn Sie zurückschauen?“

115 AM ENDE DER STUDIE WAREN DIE RESULTATE KLAR. Obwohl der Missbrauch kein speziell schlimme Erfahrung gewesen war, als er geschah, so war er von heute aus gesehen, rückblickend, schlimm. Offensichtlich sind die Wahrnehmungen ganz verschieden. Im Unterschied zu anderen traumatischen Erfahrungen wird SKM später traumatisch. Warum? Was geschieht im Nachgang zum Missbrauch? [Siehe hierzu das genau zutreffende Beispiel der jungen Frau, die ihren Vater vor Gericht zieht, obwohl sie vor diesem explizit die sexuellen Erfahrungen, die sie als Kleinkind mit ihrem Vater machte, als durchwegs „freiwillig und spielerisch“ bezeichnete: https://montebasso.wordpress.com/2015/12/11/alles-war-freiwillig-und-spielerisch-wie-tochter-inzest-als-kleinkind-erlebte/]

116 Wie ich in Kap. 2 diskutierte, erfuhren die Opfer den SKM deswegen nicht als schlimm während er geschah, weil sie ganz einfach den Sinn oder die Bedeutung des sexuellen Verhaltens nicht verstanden, in das sie engagiert waren. Später im Leben tun sie das. Die Opfer konzeptuali­sierten das, was sie vorher als „verwirrend und seltsam“ empfunden hatten, neu und verstanden die Erfahrungen als das, was sie waren – sexuell in ihrer Art und klar falsch. Erst hier an diesem Punkt, wenn der sexuelle Missbrauch voll verstanden wird, beginnt er, das Opfer zu schädigen.

116 REKONZEPTUALISIERUNG

117 Die inzwischen 28jährige Anne wurde in der Grundschule von einem Nachbarn, der als Babysitter diente, sexuell missbraucht. Wenn Anna auf seinem Schoss sass, steckte er seine Finger in ihr Höschen und tastete sie ab… und dabei stiess er sich selber gegen ihren Rumpf und atmete schwer. Anne sagte, dass sie nicht mochte, was er tat, dass sie aber definitiv nicht traumatisiert war. „Ich wusste, dass es etwas war, worüber ich nicht mit meiner Mutter reden sollte, war mir aber nicht ganz klar, warum.“ Sie schätze es, für ihn eine Prinzessin zu sein, schön zu sein…“ Nach etwa acht Monaten wiederholten Missbrauchs verliess der Nachbar die Stadt, und Anne sagte, dass sie „nicht viel darüber nachgedacht hat.“

117/8 Als sie in die 8.Klasse ging, sah sie den Bruder ihrer Freundin mit seiner Freundin Sex machen, und sie re-inszenierte [reenacting] die beiden, indem sie am Boden herumrollte und stöhnte, „und da war es, als ich mich erinnerte, was geschehen war… Ich realisierte plötzlich, dass das, was mit mir geschehen war, sexuell gewesen war.“

118 Bei Jamie geschah der Missbrauch durch den Klavierlehrer, immer Mittwochs, als sie zwischen acht und zehn war. Während sie spielte, berührte er ihre Schenkel und den Schritt und sein eigenes Genitale. Sie empfand es als „unkomfortabel“, bekam aber nicht wirklich mit, was geschah. Weil er ihr sagte, wie schön sie sei, dachte sie, dass sie vielleicht schuld sei, weil sie ihn ermutigt hatte. Als sie die Klavierstunden aufgab (weil sie zu einem andern Instrument wechselte), dachte sie nicht viel darüber nach, was geschehen war.

118/9 Vier Jahre später klingelte die Polizei. „And, oh God… ich musste zur Polizeistation, und ich musste in dem Raum sitzen mit den anderen Mädchen und meiner Mutter und meinem Vater, und da war diese wirklich angsteinflößende Frau, die mir unablässig diese Fragen stellteHat er das getan? Hat er dies getan? Wann hat er jenes getan?.. So dass ich dann wohl wusste, es war Missbrauch.“

119 Und so beschreibt Sam, der zweimal auf der Schultoilette von einem Lehrer missbraucht wurde, als er neun war, den Punkt, an dem er die Bedeutung [meaning] von dem verstand, was ihm als Kind widerfahren war: „Als ich 12 war und anfing, Erektionen zu bekommen… und masturbierte … da realisierte ich, was geschehen war, wenn er auf mich los ging.“

Beth, mit sieben durch den Vater ihrer Freundin missbraucht, erinnert sich: „Im Gesundheitsunterricht zeigten sie uns Bilder, ich war glaub‘ in der neunten Klasse… und ich realisiertedas war mit mir geschehen und es war Sex … Es war falsch [moralisch falsch].“

* * *

119/20 Ich bin nicht die erste Person, die feststellt, dass die Opfer von SKM die Natur oder Bedeutung [meaning] ihrer Erfahrungen evtl. erst später in ihrem Leben richtig verstehen. David Finkelhor schrieb 1979:

Kinder verstehen vielleicht die Bedeutung [meaning] der sexuellen Akte, in die sie einbezogen werden, nicht, aber dann, später im Leben, realisieren sie plötzlich, dass dieses Verhalten unangemessen war. Entweder lernten die Kinder [inzwischen] mehr über Sex, oder sie fanden heraus, dass solches Verhalten in den Familien ihrer Freunde nicht vorkam… An diesem Punkt wird ihnen die sexuelle Bedeutung von all der vorangegangenen Aktivität klar. .. xxvi

120/1 Lucy Berliner und Jon Conte stellen in ihrer 1990er Studie fest, dass die Mehrheit der von ihnen interviewten Kinder anfänglich nicht wusste, dass sie sexuell missbraucht worden waren. Berliner und Conte zitierten Opfer, die folgendes sagten: „Man hat mich glauben lassen, dass es ein Lernprozess sei,“ und „Ich wusste nicht, dass irgend etwas daran falsch war, weil ich erst später wusste, dass es Missbrauch war. Ich dachte, er würde mir Zuneigung zeigen.“ 10 In neuerer Zeit hypothetisierten die kognitiven Psychologen Michelle Epstein und Bette Bottoms, dass infolge der konfusen und geheimen Natur des Missbrauchs viele Opfer die Bedeutung des sexuellen Akts nicht verstehen (und ihn daraufhin für Perioden vergessen), aber später dazu kommen, die Erfahrung neu als „traumatisch“ zu etikettieren [relabel]. 11 [Clancy nimmt an, dass es die Mehrheit der missbrauchten Kinder ist, die die Bedeutung vorerst nicht versteht und dann dieses Relabelling vornimmt, da die Mehrheit unter 12 Jahren missbraucht wird.]

121/2 Wann diese Rekonzeptualisierung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vom Alter beim Missbrauch, von Erziehung und davon, was Lebenserfahrung [life experiences] sie über Sex gelehrt haben, und davon, welche Art von cues [Fingerzeige, Hinweise, Schlüsselreize] ihr Denken über das Geschehene ankurbelten. Opfer beschrieben es verschieden: „Ein Licht ging an“, „Es war wie, aha!“… Für nicht wenige war es „wie eine Bombe, die losging… Holy shit! Ich war missbraucht worden!“… und erst dann wurde die Erfahrung traumatisch und begann, ihre negativen Effekte auszuüben. Und in starkem Kontrast zu unserem kollektiven Verständnis von Missbrauch haben diese Effekte nichts zu tun mit „emionalem overload“ zur Zeit des Missbrauchs (Furcht vor physischer Gefährdung). Eher sind die Effekte indirekt und haben mit der negativen Art zu tun, in der Opfer anfangen über andere Leute und sich selber zu denken. Vor allem fühlen sie sich betrogen.

122 BETRUG

122 Wenn sie feststellen, dass sie missbraucht wurden, berichten die Opfer am häufigsten Gefühle des Betrugs… „Ich realisierte, dass ich ihm bei dem, was er tat, vertraut hatte, und das hätte ich nicht tun sollen. Er wusste, dass er etwas Falsches tat, und er wusste, dass ich es nicht wusste…“ [Ein weiteres Opfer:] „Ich realisierte, dass es nicht das war, was er körperlich mit mir getan hatte. In diesem Moment verlor ich meinen Vater… Ich war rein für seine persönliche Gratifikation von ihm gebraucht worden.“

123 Opfer von SKM fühlen sich oft aus gutem Grund betrogen: Sie wurden betrogen. 12 Ein dem Kind Bekannter hat eine soziale Norm verletzt. Er selber ist sich in den meisten Fällen durchaus bewusst, dass es falsch ist, was er tut.

Für die Opfer, die mit mir sprachen, hing der Grad des Betrugs von zwei hauptsächlichen Variablen ab: Zuerst davon, wie nahe sich das Opfer dem Täter gegenüber fühlte. Martha, ein Opfer:

124 Am Tag, als ich realisierte, was geschehen war, musste ich an die Erfahrung denken in Begriffen davon, wie viel dieser Mann für mich in meinem Leben bedeutet hatte… Was er getan hatte, verletzte mich überhaupt nicht körperlich, was mich schmerzt ist psychologisch: dass ich realisierte, wie wichtig er für mich war. Ich dachte, er sei grossartig, ein wunderbarer Mann… Meine ganze Beziehung, mein Gedächtnis, meine Vergangenheit wechselte von einem blossen „diese Dinge, die er nachts tat“ zu komplettem Betrug

124 Die zweite Variable, die mit dem [empfundenen] Schweregrad des Betrugs verbunden ist, war der Grad, zu dem das Opfer glaubte, es sei vom Täter emotional manipuliert oder „hereingelegt“ [taken in] worden. In den Fällen, wo der Missbrauch traumatisch war (indem er Gewalt einschloss, Violenz, Schmerz) fühlten sich die Opfer im Folgenden weniger betrogen. Da die Kinder in diesen Fällen die Falschheit der Situation klar verstanden, machte sich das Gefühl des Verrats sofort bemerkbar. Wie Tom es darstellte:

125 Während zwei Jahren fühlte ich mich, während es geschah, gut was ihn betraf. Ich glaubte ihm all seine Lügen und liess ihn tun, was er wollte. Es macht mich krank, daran zu denken, wie viel und wie lange er Vorteile aus mir bezog.

125 In anderen Worten: Je weniger traumatisch es war, umso mehr Betrug berichten die Opfer.

Wie Maria es sagt:

125 Am Tag, an dem ich verstand, was mit mir geschehen war, verlor ich komplett meinen eigenen Sinn der Sicherheit. Die Kindheit, von der ich mir vorstellte, dass ich sie hatte, – die Sicherheit, die mich umgeben hatte – war zerbrochen.

126 Diese Gefühle der Unsicherheit und der Verletzlichkeit verbreiten sich weit über die aktuelle Missbrauchssituation hinaus.Viele erfahren einen tiefen Zusammenbruch des Vertrauens, nicht nur in den Täter.

127 Viele Opfer denken, dass der Täter glaubte, sie hätten diese Behandlung verdient oder zu recht bekommen… “Was hat er in mir gesehen?… Ich glaube, da war etwas an mir, vielleicht weil ich zu viel Zuwendung brauchte [because I was too needy]?

127 Nur 5% [in der Stichprobe von Clancy] berichteten spontan von Wut über den Missbraucher. Warum? Weil sie den Zorn nach innen wandten. Die meisten beschuldigten sich selber.

127 SELBST-BESCHULDIGUNG

127/8 Wenn den Leuten schlimme Dinge zustossen – z.B. wenn sie entdecken, dass sie sexuell von einem Erwachsenen missbraucht wurden, dem sie trauten – so verlangt die menschliche Natur, dass sie sich in eine Suche nach der Bedeutung [meaning] begeben, um zu verstehen, warum das passiert ist… Man spricht von einem „effort after meaning“.16

128 Während die Opfer Schwierigkeiten haben, ihre Erfahrungen zu verstehen, lassen sie sich in einen „Attributionsprozess“ [Zuschreibung von Gründen] ein. Sie durchsuchen alle möglichen Erklärungen, die sie generieren können, um die zu finden, von der sie glauben, dass sie am besten passt.

129 Wenn ein Opfer fragt, warum jemand, dem es traute, es missbraucht hat, dann gibt es natürlich endlos mögliche Antworten. Z.B. es war am falschen Ort zur falschen Zeit. Man unterscheidet zwischen externalen Erklärungen für negative Ereignisse und internalen. Fast alle Opfer, mit denen ich sprach, waren für eine internale Erklärung, verursacht durch ihre eigenen Charaktereigen­schaften oder Verhaltensweisen:

Was habe ich gemacht? Welches Signal habe ich ausgesendet, das ihn dies tun liess?

129/30 Ich fragte die Opfer, wer für den Missbrauch beschuldigt werden sollte. Fast 80 Prozent hatten das Gefühl, dass beide im Fehler waren. Während fast alle anerkennen konnten, dass der Täter verantwortlich war, dachten sie doch, dass auch sie etwas falsch gemacht hatten.

130 Speziell bewegend an diesem Schuldgefühl ist die Tatsache, dass es durchwegs vorhanden ist… Die Opfer fühlen sich nicht einfach so, wie wenn sie etwas falsch gemacht hätten, sondern wie wenn etwas an ihnen als Individuum falsch wäre; dass – was immer in ihnen den Missbrauch verursacht hat –, charakterlich bedingt ist oder mit einer Eigenschaft [von ihnen] zu tun hat.

131/2 Schon Bender und Blau berichteten, dass Schuldgefühle eine allgemeine Nachwirkung von sexuellem Missbrauch sind… xxvii Schuldgefühle als Folge von SKM werden als universelles klinisches finding bezeichnet. Die Forscher präsentieren jedoch selten eine konsistente Erklärung dafür. Einige lassen dieses als Mysterium gelten. Andere führen es darauf zurück, dass Missbraucher den Opfer explizit sagen, dass der Missbrauch ihr Fehler war 26, oder darauf, dass die Opfer sich schuldig fühlen wollen, weil sie loyale Gefühle dem Täter gegenüber haben 27, oder sie bevorzugen Schuldgefühle dem Gefühl der totalen Hilflosigkeit und des Fehlens von Kontrolle gegenüber ihrer Umwelt. 28 Seltsamerweise fällt es leichter zu denken, dass man selber eine Tragödie heraufbeschworen hat, als sich seiner Verletzlichkeit für Misshandlung klar zu werden. 29

132 Keine dieser Erklärungen kann es mit derjenigen aufnehmen, die viele Opfer selber geben. Ich habe gefunden, dass viele Opfer einen klaren Grund haben, einen, der nichts mit dem zu tun hat, was der Täter ihnen gesagt hat; nichts mit dem, was sie unbewusst glauben wollen, oder mit irgend einem irrationalen Denken auf ihrer Seite… 31 Opfer sagen, dass sie sich schuldig fühlen, weil der Missbrauch nicht gegen ihren Willen geschah. Aus ihrer Perspektive haben sie das Gefühl, dass sie erlaubten, dass es geschah. So stellte es Sheila hin, eine 3.Klasse Lehrerin:

132/3 Ich war deswegen lange in Therapie, und es ist noch immer schwierig für mich, mit dem was geschah fertig zu werden und zu akzeptieren, dass es nicht mein Fehler war… So wie ich Missbrauch verstehe, ist es etwas, was gegen deinen Willen getan wurde. Aber so wie es mit mir geschah, nehme ich an, dass ich es erlaubte. Deshalb fühle ich sehr stark, dass es mein Fehler war.

133 Und so sieht es Chris: „Was soll ich zu jemandem sagen? Dass ich diesem guy zwölfmal einen blow job gab? Ich denke, dass das mich schlimmer aussehen lässt als ihn.

134 Es wäre besser, die Sache aus der Perspektive des Kindes zu sehen, zum Zeitpunkt des Missbrauchs. Wenn es zum Missbrauch kommt, sollten wir uns von unserem erwachsenen-zentrierten Standpunkt lösen.

134 Einige Opfer fühlen sich so sehr schuldig, so sehr als Komplize, dass sie sich nicht einmal sicher sind, ob sie überhaupt missbraucht wurden. Sarah, eine 23jährige Bar-Tenderin in Boston, wundert sich: „Kann es technisch überhaupt Missbrauch sein, wenn ich es geschehen liess?“ Albert, ein Anwalt, sagte: „Ich bin nicht sicher, dass es technisch Missbrauch genannt werden kann, wenn ich nicht dagegen gekämpft habe. Plus, ich nahm, was er mir gab. Ich habe sie [die Geschenke] ihm nicht ins Gesicht geworfen.“ [Weitere Antworten:] „So wie es mir geschah, war es mehr etwas, das ich, sagen wir mal, erlaubte.“ Bezogen auf das war es nicht unüblich, in der ersten Phase meiner Interviews zu fragen: „Zähle ich überhaupt dazu?“ Oder „Entspreche ich den Kriterien für sexuellen Missbrauch?“ Am Anfang meines Forschungs­prozesses war ich ob solcher Fragen perplex. Wie konnten diese Leute unsicher sein? Aus meiner Sicht war es völlig klar. Gegen Ende des Projekts verstand ich. Sie waren nicht sicher, ob sie „zählten“, weil sie dachten, dass das, was geschehen war, ihr Fehler war.

135 Ich habe gefunden, dass der Grad der Schuldgefühle als Nachwirkung streng verbunden war mit dem Grad des Traumas, das während des Missbrauchs empfunden wurde. Je weniger traumatisch (gewalttätig, erschreckend) der Missbrauch im Moment war, umso mehr Schuldgefühl und Selbstbeschuldigung berichteten die Opfer später. 33 […]

135/6 Opfer, die keinerlei Trauma während des Missbrauchs berichten (z.B. solche, die den Missbraucher liebten, die Aufmerksamkeit schätzten, oder gelegentlich den Kontakt begrüssten), fühlen sich extrem schuldig. Betrachte die folgenden Kommentare von Opfern, mit denen ich sprach:

136 Ich reagierte… Mein Körper reagierte… Er [der Täter] konnte das sehen; ich konnte es nicht verbergen. Ja, ich sage es – einige Male fühlte es sich gut an. Aus diesem Grund kann ich niemandem davon erzählen. Wie kann es Missbrauch sein, wenn du davon einen Kick bekommst?

Ich bekam nicht viel Zuwendung in dem Alter… Ich war ein einsames Kind… Dies war Zuwendung, und ich war verzweifelt nach jemandem, mit dem ich zusammen sein konnte. Ich bin voller Selbst-Beschuldigung, weil ich es erlaubte…

Ich sollte dies machen und dann würde er mich mitnehmen zu diesem Laden um die Ecke. Mir Zeugs kaufen… Comic Bücher, Süssigkeiten, Knallfrösche und so weiter… Für ein Kind war es sehr aufregend… Ich nehme an, ich wusste, dass es falsch war, aber Gott, ich liebte diesen Laden. Auf diese Weise habe ich das Gefühl, dass ich ein krankes Kind war.

138 Heutzutage ist das Wissen der meisten erwachsenen Opfer über sexuellen Missbrauch; darüber wie es ist, wenn er geschieht, und wie Kinder dabei reagieren, abhängig davon, was sie hören, lesen, und in den Medien sehen – von den kulturell erhältlichen Standardskripts über dieses Verbrechen. Wegen des Trauma-Mythos beinhaltet Missbrauch gemäss diesen Skripts üblicherweise Furcht, Gewalt und Drohung. Die Erfahrung wird als schrecklich für das Kind porträtiert. Sie sind erschreckt, wenn er geschieht. Sie versuchen, Widerstand zu leisten. Was immer geschieht, es geschieht klar gegen ihren Willen. Bücher, Filme. Webseiten versichern dem Opfer wieder­holt, dass es keine Kontrolle hatte, dass sie äusserst hilflos waren. Worte wie „Ver­gewal­tigung“, „Angriff“, werden allermeist verwendet, um die Erfahrung zu konzeptualisieren.

138/9 Keine Professionellen diskutieren offen mit den Opfern oder beleuchten die reale Dynamik – dass die Opfer selten Widerstand leisten, dass sie sich oft um den Täter kümmern, und dass sie oft „Vorteile“ [benefits] bekommen fürs Mitmachen, wie Lob, Zuwendung und Geschenke. Tatsächlich wird diese Art von Information oft unterdrückt. Das Vorwort eines bestverkauften Buches, Secret Survivors, erweist sich als Kapitel aus dem Glauben der Professionellen, dass man nicht über Aspekte des Missbrauchs sprechen sollte, welche gegen das Trauma-Modell laufen. Florence Rush bemerkt, dass ihr während ihrer Ausbildung zur Psychotherapeutin speziell gesagt wurde, dass sie nicht direkt auf das Thema Konsens eingehen solle, weil sich die Opfer „zu schuldig und beschämt“ fühlen. Ein für Professionelle geschriebenes, sehr populäres Buch von Judith Herman wiederholt diesen Appell: Sie warnt Professionelle, nicht über das Thema „Konsens“ zu sprechen, weil sich die Opfer reviktimisiert fühlen. 39 … In The Courage to Heal, dem meistgelesenen Buch über sexuellen Missbrauch, gehen die Autoren ins Extreme, um den Opfern einzuschärfen, dass was ihnen geschah, gegen ihren Willen war. Auf Seite 121 beschuldigt ein Opfer, welches in Therapie ist, sich, weil sie im Alter von zwölf zum Täter Nein sagte, worauf er aufhörte. „Warum konnte ich das nicht einfach mit 4 sagen, als der Missbrauch startete?… Ich hatte die Macht, ihn zu stoppen.“ Aber die Autoren ermahnen sofort jedes Opfer, welches dieses Buch liest und ähnlich fühlt: „Missbraucher stoppen nicht, weil du Nein sagst… du hast weniger Kontrolle, als du denkst.“ 41

140 Ich weiss von keinem Zeitungsbericht von einem Opfer, das nach Jahren hervorkommt und Klage einreicht und sagt:“Ich hätte es früher tun können, aber ich verstand bis heute nicht, dass ich missbraucht wurde.“ Als Folge der unermüdlichen Betonung von Trauma und Gewalt fallen heutzutage die Missbrauchserfahrungen der meisten Opfer unter den Radar – ihre Geschichten werden ignoriert, übersehen durch genau die Leute, die vorgeben, ihnen zu helfen.

140 WAS IST DIE KONSEQUENZ? Sie vergleichen natürlich das, was ihnen zustiess, mit den kulturellen Skripts. Wie James, ein Pfleger, mir sagte: „Was mir geschah, war verschieden von dem, was andern Kindern geschah… Ich… well,.. es ist schwer zu sagen, aber eigentlich liess ich es einfach geschehen.“ Arnie, ein Programmierer, sagte mir: „Dass andere Kinder traumatisiert waren, beweist, dass mit mir etwas ziemlich ernsthaft nicht stimmt.“ Wie Denise, ein Model für Badeanzüge, bemerkte: „Ich hatte keine Angst. Manchmal hatte ich es gern. Offensichtlich ist etwas versaut in mir.“ Bei anderen Opfern ist die Konsequenz die, dass sie sich allein fühlen [weil es bei ihnen, wie sie meinen, anders war als bei den andern – siehe oben S.138 „Standardskript“].

141 Nachdem Professionelle unermüdlich über 30 Jahre lang daran gearbeitet haben, das Bewusstsein zu heben, dass sexueller Kindesmissbrauch verbreitet und niemals der Fehler des Opfers ist, fühlen sich nun wirkliche Opfer allein und schuldig.

141 SCHAMGEFÜHL

142 Die meisten Opfer benutzen das Wort „Scham“, um zu beschreiben, wie der Missbrauch sie als Erwachsene sich fühlen lässt. Ein Opfer: „Ich denke, das Herz des Missbrauchs ist Scham.“

142/3 Ich kann kein klares theoretisches Modell offerieren, was das „Wie“ und „Warum“ des Schadens durch sexuellen Missbrauch betrifft. [Aber:] Zuerst und ganz offensichtlich ist sexueller Missbrauch für die meisten Opfer keine traumatische Erfahrung, wann er geschieht. Zweitens: Der Schaden ist klar nicht direkt und unmittelbar. Bevor der Missbrauch beginnt, dem Opfer zu schaden, muss er verstanden („rekonzeptualisiert“ werden), und das geschieht oft Jahre nach dem Missbrauch. Drittens: Die Ursache des Schadens scheint nichts mit irgendwelchen objektiven Charakteristika des Missbrauchs [bezogen auf das Trauma] zu tun zu haben… aber sehr viel mit dem, was nachher geschieht – vor allem damit, wie die Opfer anfangen, sich selber zu fühlen, und wie diese Gefühle ihre Emotionen, Kognitionen und Verhalten beeinflussen. 44 [Third, the cause of the damage appears to have nothing to do with any objective characteristics of the abuse vis-à-vis trauma and everything to do with the aftermath – specifically, with how victims come to feel about themselves and others and how these feelings influence their emotions, cognition, and behavior.]

143 Ein wachsender Datenkörper zeigt an, dass Gefühle des Betrugs, der Scham, Schuld und Selbst-Beschuldigung mächtige Prädiktoren [„Vorhersager“] der psychopathologischen Symptome und Störungen wie Depression, tiefes Selbstwertgefühl und PTSD in den Nachwirkungen des Missbrauchs sind. Sie sind mächtigere Prädiktoren von Not und Dysfunktion als alles, was mit dem Trauma während des Geschehens zu tun hat .

[…]

144 [Umgekehrt:] Weitere Bestätigung dafür, dass das, was die Opfer am meisten schädigt, wenig mit irgendeinem Trauma zu tun hat, welches sie während des Missbrauchs erfahren, und viel mit der Scham, den Schuldgefühlen und der Isolation, die sie später im Leben erfahren, gibt es von einer handvoll Studien, die bestätigen, dass bestimmte therapeutische Techniken helfen können, die spätere Lebensqualität des Opfers zu verbessern. Das sind Techniken, die ein kognitives Re-training beinhalten – nämlich: 1. die irrationalen Überzeugungen des Opfers identifizieren (z.B. dass der Missbrauch sein Fehler war), 2. ihm dann helfen, diese Überzeugungen zu modifizieren (z.B. indem man ihm überzeugende Informationen liefert, warum der Missbrauch nicht sein Fehler war). 46

[…]

145 Indem sie diese Wahrheiten über den sexuellen Missbrauch systematisch vermeiden, haben es die Professionellen versäumt, den Opfern mitzuteilen, dass das, was ihnen passierte [gemeint ist wohl: dass sie Schuldgefühle bekamen, dass sie den Fehler sich selber zuschrieben], normal ist, Opfer fühlen sich noch immer alleine. Sie berichten noch immer von Schuldgefühlen, Isolation und Scham; von Gefühlen, die so stark sind, dass sie effektiv an der Wurzel des psychologischen Schadens liegen, mit dem sich das Trauma-Modell befassen sollte.

145 Heutzutage sollten die Opfer die Wahrheit vernehmen. Das verlangt von uns allen, dass wir öffentlich die wahre Dynamik des sexuellen Missbrauchs beleuchten – dass wir die schmerzliche Realität blosslegen, wonach die meisten Opfer sich um den Täter sorgen und ihm vertrauen (vor, manchmal während und nachdem sie missbraucht wurden)… dass sie das Gefühl haben, Liebe und Zuwendung zu empfangen, dass es nicht schmerzt und sich manchmal gut anfühlt, und dass aus all diesen Gründen Partizipation normal ist.

146 Die Opfer müssen laut und deutlich hören, dass es nicht ihr Fehler war. Aber das können wir nicht mit Plattitüden erledigen wie „Du warst nicht schuld“ oder „Es geschah gegen deinen Willen.“ Sie konsentierten nicht deswegen, weil sie gezwungen wurden, sondern weil sie nicht genug verstanden. Und sie wussten nicht, dass dies nicht normal ist.

146/7 Diese Information muss in Form von Präventionskampagnen usw. beleuchtet werden. Professionelle mögen befürchten, dass erhöhte Aufmerksamkeit darauf, dass Kinder partizipieren, bei andern eine Tendenz zur Verurteilung dieser Kinder hervorrufen wird. Aber die Opfer verurteilen ja sich selber schon. Hier ist das tragische Paradox… Je weniger traumatisch der Missbrauch im Moment des Geschehens war, umso mehr Betrug, Schuld, Isolation und Scham werden die Opfer verspüren in der Folgezeit. Und weil das Trauma Modell nicht nur falsch ist, sondern verschlimmernd, verfehlt es nicht nur eine helfende Wirkung, sondern es verursacht effektiv einigen von dem Schaden, den es erklären sollte, indem es gleichzeitig die schädlichen Überzeugungen des Opfers verschärft.

5 Wie der Trauma Mythos die Opfer zum Schweigen bringt

149 Vor dreissig Jahren, bevor das Trauma-Konzept auf den sexuellen Missbrauch angewendet wurde, als noch viele Professionelle die Existenz von sexuellem Missbrauch verneinten oder die Opfer beschuldigten, beklagten die Feministinnen die Tatsache, dass eine „Verschwörung des Schweigens“ die meisten Opfer dazu bringen würde, die Lasten des Missbrauchs alleine zu tragen. 150 Wie Florence Rush es hinstellte: „Verbergen ist die einzige Zuflucht des Opfers… Sexueller Missbrauch ist darum das bestgehütete Geheimnis in der Welt.“ 1

150 Seit damals hat das Pendel der professionellen ‚beliefs‘ [nicht hinterfragte Überzeugungen] weit auf die andere Seite ausgeschlagen. Sexueller Missbrauch ist weitgehend akzeptiert als etwas Verbreitetes, und als niemals der Fehler des Opfers. Nicht viel hat sich jedoch verändert, was die Entscheidung des Opfers, sich auszusprechen, betrifft. Gemäss einer grossen Studie verzögern entweder die Opfer die Enthüllung, oder sie nehmen davon völlig Abstand. 2… Gemäss einer grossen nationalen Studie hatten nur 22 Prozent der Opfer sich mitgeteilt. 4

151 [In Clancy’s eigener Studie sind es 22 Prozent.] Warum sollte ein Opfer eines Verbrechens sich dafür entscheiden, nichts davon mitzuteilen? In „The Courage to Heal“, dem meistgelesenen Buch für Opfer, führen das die Autoren darauf zurück, dass die Missbraucher Dinge sagen wie: „I’ll kill you, if you tell!“ 6 Andere Verfasser ähnlicher Bücher vertreten ähnliche Erklärungen.

151 In der Literatur tritt ein Faktor auf, der sich als prädiktiv [„voraussagend“] erweist hinsichtlich der Frage, ob ein Opfer sich öffnen wird, und das ist, ob die Erfahrung traumatisch war oder nicht. Wenn das Opfer verängstigt oder erschreckt wurde, wenn Kraft, Gewalt oder effektive physische Vergewaltigung vorliegt, wird das Opfer eher sprechen. 9

152 Gemäss dem, was Opfer sagen, ist es so: Als Kinder sprechen sie darüber nicht, weil sie nicht wissen, dass sie sollten. Sie verstehen gar nicht richtig die Bedeutung [meaning] oder Signifikanz der Aktivitäten, um die man sie gebeten hat, oder von denen man verlangte, dass sie mitmachen. Später im Leben verstehen sie, was passiert ist und dass es falsch war, aber da sie geschwiegen hatten und partizipierten, fühlen sie sich als Erwachsene schuldig und schämen sich. Viele Befragte sagten mir, dass sie fürchten, diese Gefühle könnten verstärkt werden, wenn sie anderen davon erzählen – dass man sie beschämen würde. John, ein Zimmermann, der als Junge Sex mit einem Lehrer hatte, sagte: „Was soll ich sagen? Die Wahrheit? Ich masturbierte den Typen nach der Schule, und dann gab er mir fünf Dollar. Die Leute werden mir sagen, dass ich mehr ‚f…ed up‘ bin als er… ein Prostituierter.“

153 Fast alle [Befragten] fürchteten, dass ein Auspacken negative Folgen für ihr Leben hätte…

„Meine Familie wird mich anders behandeln.“

„Es wird bestimmt sehr peinlich sein und eine Auswirkung darauf haben, wie andere Leute mich sehen.“

… [usw.]

154 [Widerspruch] Warum sollte ein Opfer das Gefühl haben, ihm würde nicht geglaubt, oder es würde beschuldigt, nachdem unsere Gesellschaft die letzten 25 Jahre mit Informationen darüber überschwemmt wurde, wie verbreitet sexueller Kindesmissbrauch ist, und dass er nie der Fehler des Kindes ist? Antwort von Cl.: Die „Überschwemmung der Gesellschaft mit Informationen bezog sich auf einen speziellen Typ von Missbrauch, auf einen, der ein Trauma erzeugt. Professionelle diskutieren jedoch kaum den Typ des nicht-traumatischen Missbrauchs, den die meisten Opfer erfahren; ein Missbrauchstyp, bei dem die Opfer verwirrt sind, kaum Widerstand leisten, und sich um den Missbraucher kümmern und ihn lieben. Weil von “dieser“ Art Missbrauch die meisten Leute noch nichts wissen, fürchten die Opfer, dass ihnen nicht geglaubt würde, und sie beschämt würden.

155 Statt zu reden, nehmen die Opfer zu zwei verbreiteten Coping-Mechanismen Zuflucht: Vermeidung (versuchen, nicht daran zu denken), und Unterdrückung (versuchen, zu vergessen).

[…]

160 VERMEIDUNG/UNTERDRÜCKUNG

[…]

Professionelle des Gebiets sexueller Missbrauch machten die Theorie populär, dass Missbrauchte oft deswegen so lange nichts darüber berichten, weil sie die Erinnerung an den Missbrauch unterdrückt haben. Der Missbrauch war derart traumatisch, dass ihr Gedächtnis ihn als Form des psychischen Schutzes ausradierte. …

162 Jedoch, wie ich erklärte, zeigt die meiste Forschung, dass ein Ereignis umso eher erinnert wird, je traumatischer es war. Ferner gibt es auch keinen neurobiologischen Beweis, dass Verdrängung überhaupt möglich ist. Als Konsequenz bezweifeln viele Forscher und Wissenschaftler, dass Verdrängung überhaupt vorkommt, und haben sich lautstark gegen diesen Glauben in populären Büchern und Mediendarstellungen ausgesprochen… 25

162 BLAME

162 Selbst wenn den Opfern geglaubt wird, werden viele für den Missbrauch beschämt.

164 Unsere Kultur neigt dazu.

165 Und hier die Worte von Lauretta Bender, einer hervorragenden Forscherin auf dem Gebiet des sexuellen Kindesmissbrauchs:

Diese Kinder verdienen zweifellos nicht ganz den Mantel der Unschuld, mit dem sie von Moralisten, Sozialreformern und Gesetzen ausgestattet wurden. Häufig ziehen wir die Möglichkeit in Betracht, dass das Kind eher der eigentliche Verführer als der unschuldig Verführte gewesen sein könnte xxviii

165/6 Tatsächlich war diese Tendenz, die Opfer zu beschuldigen, ein wichtiger Impuls [Auslöser] hinter der feministischen Bewegung, die in den 70ern begann. [2002 schreibt] Rebecca Bolen, dass noch immer einige Experten (auf rechtlich-kriminalistischem, psychiatrischem Gebiet) das Opfer für teilweise schuldig halten. „Ferner ist es von Interesse, dass die Art des Verhaltens, welche das Kind zeigt (ob das Kind als während des Missbrauchs ermutigend, passiv oder sich widersetzend betrachtet wird), mit der Zuschreibung von Verantwortung verbunden wird.xxix

[Und hier liegt ein entscheidender, aber schwer ausrottbarer Fehler. Die Schuldfrage sollte völlig von der Frage nach dem Aktivitätsniveau des Kindes entkoppelt werden. Es muss dem Kind zugestanden werden, dass es passiv blieb, ohne Widerstand zu leisten, oder sich gar aktiv beteiligt hat. Im letzteren Fall mag es bis zu einem gewissen Grad kausal involviert sein, aber nicht moralisch. Dann können Experten, Therapeuten und Vertrauenspersonen die Möglichkeit einer gewissen Aktivität des Kindes in ihr Verständnis des Geschehens einbeziehen, ohne dass das Kind moralisch belastet wird, aber auch, ohne dass Feministinnen glauben, die Möglichkeit eines gewissen Involvements verneinen zu müssen, weil sie sonst den Täter verteidigen würden. Strafrechtlich wird das Kind schon seit langer Zeit völlig entlastet, weil ihm die Möglichkeit des rationalen Konsens abgesprochen wird. (Ansicht des Übersetzers)]

166 In den folgenden, oft gestellten Fragen deutet sich an, welche Aspekte des Missbrauchs manche Leute oft als besonders starke Hinweise auf einen Schuldanteil des Kindes sehen:

Warum sagte das Kind nicht nein?

Warum geschah es mehrfach?

Warum hat das Kind sich weiterhin um den Täter gekümmert?

[…]

170 Florence Rush schrieb 1979, dass sie „entdeckte, dass die Opfer ebenso geschockt und verstört waren ob dem Fehlen von Sympathie und von Anerkennung des Problems, wie sie vom Geschehen des Missbrauchs selber waren.“ 32 Ich denke nicht, dass sich viel verändert hat. Alle Opfer, die in meiner Studie teilnahmen, wurden gefragt: Welches war der schlimmste Teil ihres Missbrauchs? Jene, die ihren Missbrauch vor unserem Interview jemandem anvertraut hatten, gaben alle dieselbe Antwort. Der schlimmste Teil des Missbrauchs war, wie die anderen Leute reagierten. Gemäss einer neuen Studie… kann die Intensität negativer Emotionen, die einige Opfer während des Prozesses der Enthüllung erfahren, posttraumatischen Stress im Nachhinein bewirken. 33

170/1 Die Forscher fokussieren nicht ausschliesslich Schäden, einige konzentrieren sich auf Widerstandsfähigkeit/Belastbarkeit (warum einige Opfer unversehrt aus dem Missbrauch hervorgehen können, während andere abstürzen). Es stellt sich heraus, dass es eine inverse Beziehung zwischen psychologischem Schaden und sozialer Unterstützung gibt. Je mehr Unterstützung Opfer von anderen bekommen (Glaube, sich kümmern, Empathie, Aufmerksamkeit), umso weniger negativ sind die psychologischen Folgen. 34

171/2 [Anschliessend berichtet Clancy kurz über einige Studien, die die Wichtigkeit von Mutterliebe belegen, allen voran über die Beobachtungen des Affenforschers Harry Harlow (1956). Sodann bezieht sie sich auf die Arbeit von John Bowlby über die fundamentale Rolle von attachment [Bindung an Eltern] und deren Folgen. Der nähere Bezug zu Resilienz/Vulnerabilität unter Betroffenen des sexuellen Missbrauchs besteht hier im etwas trivialen Hinweis, dass eine zusätzliche Belastung (durch Missbrauch) bei Kindern, die hinsichtlich elterliche Bindung schon mal zu kurz gekommen sind, heftigere Folgen nach sich zieht, als bei emotional gut „ernährten“ Kindern. Obwohl Clancy weiter oben R. Bolen zitiert hat, unterlässt sie es hier, wo sie mit basics über mütterliche Zuwendung und Geborgenheit kommt, einen Hinweis auf einen von Bolen angeführten, sehr interessanten Befund zu geben:]

[„Tatsächlich wurde die Rolle des [natürlich nicht-missbraucherischen] Vaters in der Literatur über Kindesmissbrauch fast vollständig ignoriert. In einer kürzlich durchgeführten Studie über Kinder, die sexuellen Missbrauch erlitten hatten und nun einer forensischen Untersuchung unterzogen wurden, wobei nur die Mütter gebeten wurden, ihr Kind zur Untersuchung zu begleiten, überraschte es nicht, dass viel mehr Mütter zum Treffen kamen als Väter. Auffallend war jedoch, dass einer der wichtigsten Voraussage-Faktoren darin bestand, ob beide Eltern das Kind ins Spital begleiteten. Kinder, die von beiden Eltern begleitet wurden, hatten signifikant weniger vom Kind selber berichtete posttraumatische Symptome, und ebenso weniger von den Eltern berichtetes Problemverhalten insgesamt. Diese Studie legt nahe, dass ein enger Fokus auf die Mutter dem Kindeswohl abträglich sein kann.“ xxx ]

[Natürlich kann sich hinter diesem scheinbar simplen Faktor der väterlichen Begleitung des Kindes zur forensischen Untersuchung vieles verbergen, was effektiv die mildernde Wirkung auf PTSD hervorbringt – väterliche Anteilnahme überhaupt; Inhalt väterlicher Verarbeitungshilfe und Kommentare zum Missbrauch, die allgemeine Bedeutung des Vaters für das Mädchen usw. Es kann sich auch um einen Indikator für die Vollständigkeit und die Harmonie der Familie handeln. Jedenfalls – und dies ist der Grund, warum der Übersetzer auf dieses finding von Bolen überhaupt eingeht – weist dieser Zusammenhang auf eine generell sehr starke Rolle der Verarbeitungsbedingungen hin, die das Kind nach geschehenem Missbrauch vorfindet. Es ist dies ein typisches Resultat, welches in einer eng medizinischen Forschung nicht gefunden wird, weil dort der Zusammenhang meistens auf ein einfaches, enges Ursache-Wirkungs-Schema reduziert wird, wobei Ursache = die sexuellen Handlungen selber, und Wirkung = posttraumatische Symptome oder dergl.]

Print screen aus Rebecca M. Bolen, Child Sexual Abuse. S. 197.

172 [Anschliessend betont Clancy noch einmal den Wunsch der Opfer nach Anerkennung der Tatsache, dass es geschehen ist – also kein Verheimlichen, kein Nicht-Glauben usw., und Empathie.]

173/4 [Dann führt sie zwei Beispiele aus ihrer Befragung an, das von Joanelle, einem Mädchen, das von seiner Mutter viel Verständnis auf seine Enthüllung hin erhielt, was sich nach ihrer Auskunft gut auf sie auswirkte, und das von Joseph, welches einmalig in seiner Art sein dürfte: ]

„Nachdem ich es ihm gesagt hatte, umarmte er mich. Er fuhr fort, mich auf den Kopf zu küssen und zu sagen ‚I’am so sorry, I’am so sorry.‘ … Für mich war klar, dass es nicht mein Fehler gewesen war, und dass ich das Richtige gemacht hatte, als ich es ihm sagte. Er behandelte es, denke ich, sehr gut. … Ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich heute ohne Schaden da stehe. Wenn es irgendwelche Folgen hatte, so die, dass es mich stärker gemacht hat.“

175 Wenn die Leute die Wahrheit über den sexuellen Missbrauch kennen würden, würde keine der immer wieder gestellten Fragen gestellt werden [wie z.B.]:

„Sie liess es 2 Jahre lang geschehen?“

„Warum sollte irgendein Opfer 15 Jahre warten bis zur Enthüllung?“

176 Ist es ein Wunder, dass so viele mit Verwirrung, Unglauben und vielleicht sogar einer Tendenz zur Beschuldigung der Opfer reagieren? Nichts von dem, was das Opfer sagt, hat irgend eine Ähnlichkeit mit diesem „gemeinen und schädlichen Verbrechen“, welches Professionelle geschildert haben, und sonst jeder es im Laufe der Jahre aufgefasst hat. Die Situation ist tragisch-ironisch: Während sie das Trauma in den Vordergrund stellen, fördern viele Professionelle, die dazu aufrufen, den Opfern zu glauben, genau die Bedingungen, die zu Leugnung, Beschuldigung und Herunterspielen führen.

179 Conclusion

180 „Trauma“ ist ganz einfach keine gute Charakterisierung von der Realität des sexuellen Missbrauchs.

182 Wie Margaret Hagan, eine klinische Psychologin an der Boston University, es hinstellt, hat die Konzeptualisierung des sexuellen Missbrauchs als Traumatisierung „sich als äusserst resistent gegenüber Fakten herausgestellt, die sich in mehr als 20 Jahren Forschung erwiesen haben.“ 3

182 Als ich meine ersten Forschungsresultate publizierte, welche zeigten, dass sexueller Missbrauch nicht unbedingt eine traumatische Erfahrung beinhaltet – dass die meisten Opfer sich als verwirrt bezeichneten und oft – als Folge der Verwirrung – dem Missbraucher zu Gefallen waren, wurde ich als Freund der Pädophilen bezeichnet.

183 Man kann diese Konzeptualisierung des Missbrauchs als Trauma nicht in Frage stellen, weil sie ein tiefsitzendes Dogma darstellt, welches in Mental Health-Kreisen und Kreisen der Öffentlichkeitsarbeit seit den späten 1970ern die Oberhand hat. An diesem Dogma prallt jede Information über ein Involvement oder eine Compliance der Kinder ab, und gestützt auf es wird eine unerbittliche Bevorzugung von Informationen betrieben, welche die schreckliche, gewalttätige und bedrohliche Seite des sexuellen Missbrauchs betonen.

184 [Jedoch] Erstens: zuzugeben, dass Kinder zustimmen, heisst nicht, die Erkenntnis zu verneinen, dass entwicklungsbedingte und kognitive Faktoren zu solcher Zustimmung führen. Wie kognitive Psychologen wohl wissen, zeigt heutzutage ein grosses Wissen, dass Kinder nicht in derselben Weise fähig sind, sexuell betonte Begegnungen zu verstehen, wie Erwachsene es sind. Viele, wenn nicht die meisten Kinder kommen so dazu, den Missbrauch zuzulassen.

184 Zweitens: es wird weitgehend angenommen, dass sexueller Missbrauch, wenn er nicht traumatisch ist, während er passiert, dem Opfer nicht schaden wird. Kein Trauma zum Zeitpunkt des Geschehens [so die Annahme] bedeutet kein Schaden für das Opfer später in seinem Leben. Auch dies ist jedoch eine schwere Fehlkonzeption. Wie ich in Kap. 4 ausführte, verstehen die Opfer mit der Zeit die Natur dessen, was mit ihnen geschah, und rekonzeptualisieren ihre vorherigen zweideutigen Erfahrungen als das, was sie waren, nämlich sexuell in ihrer Art.

185 Was die meisten Opfer verletzt, ist nicht die Erfahrung selber, sondern die BEDEUTUNG [meaning] der Erfahrung – welchen Sinn die Opfer dem Geschehenen geben, und wie sie sich selber und andere als Folge dieses Verständnisses empfinden, und wie dieses Verständnis ihre Emotionen und Verhaltensweisen später beeinflusst. … Es ist die rückblickende INTERPRETATION DES GESCHEHENEN, welche die spätere Wirkung vermittelt. [What hurts most victims is not the experience itself but the meaning of the experience – how victims make sense of what happened and how these understandings make them feel about themselves and others and subsequently impact their emotions and behaviors. … It is the retrospective interpretation of the event that mediates subsequent impact.]

186 Der wahre Horror des sexuellen Missbrauchs liegt nicht im sexuellen Akt, sondern in der Ausbeutung von Kindern durch genau die Leute, denen es vertraut, dass sie es schützen werden.11 [Clancy führt dies hier offenbar an, um zu zeigen, wie erst die Interpretation des Geschehenen als Vertrauensbruch und als Ausbeutung nur zum Zweck der eigenen sexuellen Gratifikation des Täters zu den negativen Emotionen führt.]

190 [Mit dieser Abhängigkeit von der Interpretation – und davon, dass eine klar negative Interpretation meist sehr spät kommt, wenn das Kind reifer geworden ist –, hängt zusammen, dass Kindesmissbrauch oft erst Jahre später vom Opfer enthüllt wird.] Die meisten Kinder berichten den Missbrauch nicht unmittelbar. Sie können nicht. Infolge der Natur des Verbrechens und ihres Levels der Entwicklung zur Zeit des Geschehens können sie die Natur des Geschehenen erst später im Leben verstehen,

193 Das ist auch der Grund, warum eine Prävention nicht funktioniert, die Kinder lehrt, dass es „good touch“ und „bad touch“ gibt.

1Basic Books. Paperback ISBN: 978-0-465-02211-3 E-book ISBN: 978-0-465-02088-1

2Zahlen am Anfang eines Absatzes bezeichnen die Seitenzahl in der Original-Print-Ausgabe.

3Hochgestellte römische Zahlen im Text verweisen auf Literaturangaben aus dem Buch von Clancy, die am Ende des deutschen Textes wiedergegeben sind. Arabische Zahlen im Text sind ebenfalls aus der Print-Ausgabe übernommen, doch wird die Angabe, auf die die Zahl im Original verweist, hier nicht übernommen. Sie findet sich nur in der englischen Original-Ausgabe.

4[ ] Texte in solchen Klammern stammen vom Übersetzer. Sie beinhalten entweder eine Zusammenfassung, oder linguistische Angaben, oder eine Verdeutlichung oder Erklärung, oder die Meinung des Übersetzers.

5Hervorhebungen durch Fettdruck oder Unterstreichung sind ausschliesslich die Entscheidung des Übersetzers.

iL.Bass und L.Davis, The Courage to Heal: A Guide for Women Survivors of Child Sexual Abuse.. Ney York 1988 (Harper and Row).

iiOkami, P. „Self-Reports of ‚Positive‘ Childhood and Adolescent Sexual Contacts with Older Persons: An Exploratory Study.“ Archives of Sexual Behavior 20 (1991): 437-57. S. 438.

iiiL.G.Schultz und P.Jones, „Sexual Abuse of Children: Issues for Social Service and Health Professionals,“ Child Welfare Journal 62 (1983): 99-108.

ivVogeltanz ND et al. „Prevalence and risk factors for childhood sexual abuse in women: national survey findings.“ Child Abuse & Neglect. 1999 Jun; 23(6):579-92.

vDie Daten werden diskutiert in E.Geraerts, „Remembrance of Things Past: The Cognitive Psychology of Remembering and Forgetting Trauma.“ Doctoral Thesis, Maastricht University, 2006.

viFinkelhor, D., Sexually Victimized Children (New York: Free Press, 1979).

viiD.E.H.Russell, The Secret Trauma: Incest in the Lifes of Girls and Women (New York: Basic Books, 1986).

viiiC.Nash und D.West, „Sexual Molestation of Young Girls: A Retrospective Survey,“ in D.J.West (ed.) Sexual Victimization, (Brookfield VT: Gower Publishing 1995), 1-92.

ixE.B.Carlson et.al., „A Conceptual Framework for the Long-Term Psychological Effects of Traumatic Childhood Abuse,“ Child Maltreatment 2 (1997): 272-95.

xD.Finkelhor, „Early and Long-Term Effects of Child Sexual Abuse: An Update,“ Professionel Psychology: Reseach and Practice 21 (1990): 325-30, Zitat S. 328.

xiS.A.Burkhardt und A.F.Rotatori, Treatment and Prevention of Child Sexual Abuse. A Child Generated Model. (Taylor and Francis, Washington D.C. 1995)

xiiF.D.Fincham et al., „The Professional Response to Child Sexual Abuse: Whose Interests Are Served? In Child Sexual Abuse and False Memory Syndrome. R.A. Baker (ed.) (Amherst, N.Y., Prometheus 1998) 279-308, hier S. 298.

xiiiFinkelhor, D., Sexually Victimized Children. Clancy zählt hier weitere auf, darunter: Children’s Conceptions of Sexual Abuse. September 1987, Journal of Clinical child Psychology 16 (3):184-191. DOI: 10.1207/s15374424jccp1603_2

xivL.Berliner und J.Conte,“The process of victimization: the victims‘ perspective.“ Child Abuse & Neglect 1990;14 (1):29-40.

xvSummit, Roland (1983). „The child sexual abuse accommodation syndrome“ (PDF). Child Abuse & Neglect 7 (2): 177–93. doi:10.1016/0145-2134(83)90070-4. PMID 6605796

xvi J.L.Herman und L.Hirschman, „Father-Daughter Incest,“ Signs 2, (1977) 753-56

xvii R.S.Kempe und C.H.Kempe, Child Abuse (London, Fontana/Open University, 1978) 55.

xviii Karl Abraham, „TheExperiencing of Sexual Trauma as a Form of Sexual Activity“ (1927). S. 62 Angaben siehe Clancy S.216.

xixK.Abraham, S. 53.

xxL.Bender und A.Blau, „The Reactions of Children to Sexual Relations with Adults.“ American Journal of Orthopsyhiatry 7 (1937): 500-18. Deutsch siehe https://montebasso.wordpress.com/2018/08/07/die-reaktion-der…-mit-erwachsenen/

xxiAugusta Rasmussen, (1934). DIE BEDEUTUNG SEXUELLER ATTENTATE AUF KINDER UNTER 14 JAHREN FÜR DIE ENTWICKELUNG VON GEISTESKRANKHEITEN UND CHARAKTERANOMALIEN. In: Acta Psychiatrica Scandinavica, S. 351-434. Auszugsweise veröffentlicht hier: https://montebasso.wordpress.com/2018/08/07/die-reaktion-der-kinder-auf-sexuelle-beziehungen-mit-erwachsenen/

xxii Florence Rush, „The Freudian Coverup,“ Feminism & Psychology, Mai 1996. Vol. 6, issue: 2, p. 260-276 https://doi.org/10.1177/0959353596062015

xxiii C.V.Allen, Daddy’s Girl (New York, Windham 1980), Armstrong, Kiss Daddy Goodnight; S.Butler, Conspiracy of Silence (San Francisco, New Glide 1978), [Clancy führt noch weitere an,], F. Rush, The Best Kept Secret (New York, Prentice Hall, 1980.

xxiv A.Brown und D.Finkelhor, „The Impact of Child Sexual Abuse: A Review of The Research.“ Psychological Bulletin 99 (1986): 66-77.

xxv D.Finkelhor, „The Trauma of Child Sexual Abuse: Two Models,“ in Lasting Effects of Child Sexual Abuse, eds. G.E.Watt and G.J.Powell (Newbury Park, CA: Sage 1988), 61-82.

xxvi D.Finkelhor, Sexually Victimized Children. 1979, 40.

xxvii L.Bender und A.Blau, „The Reactions of Children to Sexual Relations with Adults.“ American Journal of Orthopsyhiatry 7 (1937): 500-18. Deutsch siehe https://montebasso.wordpress.com/2018/08/07/die-reaktion-der…-mit-erwachsenen/

xxviii L.Bender und A.Blau, „The Reaction of Children to Sexual Relations with Adults.“ Zitat S 514.

xxix Rebecca M.Bolen, Child Sexual Abuse, Its Scope and our Failure. 2002 (New York, Boston usw.: Kluwer). S.222.“

xxx Bolen, R.M., Predicting Risk to be Sexually Abused: A Comparison of Logistic Regression to Event History Analysis. In: Child Maltreatment, Vol. 3, issue: 2, May 1998, S.157-170. Hier zitiert nach Bolen 2002, S. 197